Nach den bisherigen Beobachtungen scheinen die Impfungen auch gegen die sogenannte Delta-Variante wirksam zu sein. Dies bestätigte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Nach den aktuellen Statistiken bleibt die Anzahl der Krankenhauseinweisungen bisher weitgehend stabil. Eine Einlieferung ins Krankenhaus betreffe weitgehend bisher nicht geimpfte Briten.Wer bereits vollständig gegen das Virus geimpft sei, dem biete die Impfung nach bisherigen Erkenntnissen auch gegen die zunächst in Indien entdeckte Variante einen ausreichenden Impfschutz. Als wichtige Maßnahmen im Kampf gegen die Variante sieht Stöhr daher vor allem die Hygiene- und Abstandsregeln. "Die Variantenbildung ist nicht unerwartet. Eine Variante, die tatsächlich deutlich aggressiver und tödlicher als ihre Vorgänger ist, wäre ein Ausreißer und biologisch wenig plausibel in diesem Stadium der Pandemie“, erklärt Stöhr. Zuletzt gabe es Meldungen, dass die Delta-Variante deutlich ansteckender als die Variante Alpha sei. "Das ist alles Spekulation angesichts der unklaren Datenlage. Das Krisenmanagement in Deutschland hat es – wie auch schon bei der britischen Variante zuvor –versäumt, frühzeitig Kontrollstudien aufzusetzen“, kritisiert Stöhr. Diese Studien hätten dabei geholfen, den tatsächlichen Einfluss der Variante abzuschätzen.
Unklar bleibt auch weiterhin, ob die Delta-Variante schwerere Covid-19-Verläufe auslöst. Allerdings hatte die britische Tageszeitung
"Daily Mail“ berichtet, dass die Ärzte in Indien angeblich im Zusammenhang mit der Variante B.1.617.2 sowohl Hörverlust als auch Wundbrand festgestellt haben wollen. Allerdings haben die Ärzte in Großbritannien diese Symptome bisher selbst nicht beobachten können, obwohl es dort bereits zehntausende Fälle gibt, die durch diese Variante ausgelöst wurden. Sowohl Drosten als auch Stöhr schätzen die Datenlage noch immer als unklar ein. "Egal ob Alpha, Beta, Gamma oder Delta: Die aktuell verfügbaren Impfstoffe helfen kurz- und mittelfristig gegen alle Varianten mindestens noch bis Winterbeginn, bevor vielleicht eine Anpassung nötig sein wird“, glaubt Epidemiologe Stöhr.