Auch an der Universität Oxford wird derzeit ausgiebig getestet, wie das Mischen von verschiedenen Impfstoffen funktionieren kann. Die Com-CoV genannte Studie erforscht die Wirkung einer Erstimpfung mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer oder dem von Astrazeneca. Bei der zweiten Dosis bekommen die Studienteilnehmer entweder den gleichen Impfstoff oder eine Impfung mit den Impfstoffen von Moderna oder Novavax. Bei Tierversuchen an Mäusen waren vielversprechende Ergebnisse aufgetreten, die darauf hinweisen, dass der Impfstoff-Mix noch bessere Ergebnisse erzielen könnte, als es bei einem Einzelimpfstoff der Fall sei. Bei den Mäusen waren insgesamt 4 verschiedene Mischungen von Covid-19-Impfstoffen ausprobiert worden. Das beste Ergebnis war erzielt worden, wenn die 1. Impfung mit einem Vektorimpfstoff durchgeführt wurde und bei der Zweitimpfung ein anderer Impfstofftyp zum Einsatz gekommen war. Die Forscher konnten dann einen höheren Antikörperspiegel und eine bessere Antwort der T-Zellen feststellen.
Die Kreuzimpfungen sollen also auch beim Menschen funktionieren, ist sich David Masopust sicher, der als Immunologe an der University of Minnesota Medical School arbeitet. Die aktuell zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19 schützen die geimpften Personen nämlich auf unterschiedliche Weise gegen das Virus. Allerdings zielen alle Impfstoffe auf das Spike-Protein ab, das von dem Virus dazu benutzt wird in die Zellen des menschlichen Körpers einzudringen. Die Impfstoffe von Moderna und Biontech liefern die Anweisung zur Herstellung des Proteins mittel einer Boten-RNA. Im Impfstoff von Novavax wird das Spike-Protein selbst injiziert. Bei den Impfstoffen
von Johnson & Johnson, Astrazeneca und Sputnik V wird ein harmloses Erkältungsvirus dazu genutzt, um die Anweisungen für die Herstellung des Proteins in die menschlichen Zellen einzuschleusen.
Sinopharm und Sinovac liefern dem menschlichen Immunsystem das ganze Virus in inaktivierter Form. Warum eine Kombination von Impfstoffen die Wirksamkeit verbessern kann, ist bisher noch ein Rätsel. Dies wollen die Wissenschaftler allerdings durch die aktuellen Studien herausfinden. Vor allem sind die Forscher gespannt, ob sich die Ergebnisse aus den Tierversuchen auch auf den Menschen übertragen lassen. "Wir wollen erste Ergebnisse im Herbst haben, damit wir vor dem Winter wissen, wie wir Personen, die erstmals mit Astrazeneca geimpft wurden, optimal schützen können", lässt Studienautorin und Virologin von Laer aus Innsbruck verlauten.