Katerina Jacob: "Das Sterbefasten meiner Mutter war okay für uns alle"

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Katerina Jacob: "Das Sterbefasten meiner Mutter war okay für uns alle"

Stars (2 / 1) 28.12.2020 16:26 / Frank Symbolbild Jan GreuneVerlag Neues Leben


Über Ihre Kindheit sagte Ellen Schwiers, dass sie ständig unterwegs gewesen sei und Sie "eigentlich immer Haushälterinnen überlassen" worden seien. So gesehen sei Ihre Kindheit "kein Honigschlecken" gewesen. Sehen Sie das rückblickend auch so?

Katerina Jacob: Ja. Ich bin von Kindermädchen großgezogen worden, die nicht immer sehr nett waren. Bei meiner eigenen Tochter habe ich dann versucht, nette Kindermädchen zu finden.

In Ihrem Vorwort zu "Dich hat der Esel im Galopp verloren" schreiben Sie an Ihre Mutter: "Du hast alles richtig gemacht." Was bewunderten und liebten Sie am meisten an Ihrer Mutter?

Katerina Jacob: Sie war ein Mensch mit einer sehr großen Lebenserfahrung. Sie hat immer gesagt: "Ich lasse mir durch schlechte Menschen meinen Charakter nicht verderben." Diesen Satz von ihr mochte ich sehr gerne. Sie war zudem eine extrem großzügige Person, die immer geholfen hat und die die Nöte ihrer Schauspieler kannte. Sie hat diese beispielsweise freiwillig weiterversichert. Im "Ensemble" spielen zu dürfen, war eigentlich immer ein bisschen wie ein Ritterschlag.

Marte von Have erklärt in der Einleitung des Buchs: "Ellen Schwiers wollte kein Pflegefall sein. So beschloss sie, mit Sterbefasten anzufangen." Wie haben Sie diese Entscheidung Ihrer Mutter aufgenommen?

Katerina Jacob: Es war für mich absolut nachvollziehbar. In einem Interview hatte sie davor schlecht formuliert und gesagt, ich würde ihr Sterbehilfe verweigern. Das stimmt nicht, das wusste sie auch. Die Diskussion, die dadurch entstand, fand ich aber wichtig. Ich bin sehr für assistierte Sterbehilfe, nicht für aktive. Sie hat sich dann für das Sterbefasten entschieden, was okay war für uns alle. Es ging ihr ja zum Schluss körperlich sehr schlecht. Im Kopf war sie aber fit bis zum Ende.

Das Cover von "Dich hat der Esel im Galopp verloren" Verlag Neues Leben