Miroslav Nemec: Porträt eines echten Patchwork-Königs

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Miroslav Nemec: Porträt eines echten Patchwork-Königs

Stars (2 / 1) 28.12.2020 16:25 / Peter Symbolbild ili/spot


Nemec: Deshalb bin ich froh, dass es uns gelungen ist.

An einer Stelle heißt es, Sie sollen immer unter Strom stehen und schwer entspannen können. Stimmt das?

Nemec: Ich empfinde das natürlich nicht so. Unter Strom stehen im Sinne von ich muss immer etwas tun - das stimmt allerdings schon. Ich kann mich nicht eine Woche in den Liegestuhl in die Sonne legen und dann baden und dann wieder liegen. Ich bin ein aktiver Mensch und möchte etwas unternehmen oder angucken oder in den Garten gehen und meine Feigen pflücken oder die Bäume beschneiden oder irgendetwas anderes machen... Nur in Istrien halte ich es aus, einfach nur mal dazusitzen.

In der Doku wird unter anderem der Unterschied zwischen ihrem Naturell und dem Ihres Vaters herausgearbeitet. Sie wirken wesentlich zielstrebiger und durchsetzungsstärker. Wie kommt das?

Nemec: Das waren die Umstände. Mein Naturell ist eigentlich auch eher harmonisierend, verletzlich, sensibel... Somit hätte ich natürlich auch anders reagieren können. Aber durch meine Adoptivmutter, die sehr zielstrebig war, habe ich einen gewissen Drill erfahren.

Der Verein "Hand in Hand", den Sie für Kriegswaisen gegründet hatten, wird auch thematisiert. Den Verein gibt es nicht mehr, aber haben Sie noch Kontakt zu irgendeinem der damaligen Kinder?

Nemec: Früher schon, wenn wir mal unten in Istrien waren, aber inzwischen sind ja alle weggezogen. In den Häusern, die wir den Kindern damals zur Verfügung gestellt haben, sind auch heute noch Kinder untergebracht. Betreut werden sie aber von einer anderen Organisation. Es ist schön, dass es Unterkünfte für Kinder geblieben sind.

In der Doku wirkt es so, als sei das mit der Schauspielerei bei Ihnen reiner Zufall gewesen. Sonst wären Sie Musiker geworden?

Nemec: Das stimmt. Es ist verrückt und klingt natürlich wie eine erfundene Geschichte. Es ist aber die Wahrheit. Ich wollte Musiker werden. Aber meine damalige Freundin wollte Schauspielerin werden und da habe ich gesagt: Gut, dann komme ich eben mit zur Aufnahmeprüfung und probiere es auch. Zum Glück haben wir beide bestanden und die Ausbildung absolviert. Nach einigem Hin und Her bin ich dann nach Köln ans Theater gegangen. Erst dort ist mir wirklich klargeworden, was dieser Beruf bedeutet.