Mehr Krebstote durch Corona in Deutschland! Fachärzte entsetzt - Patienten verschieben Untersuchungen

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Mehr Krebstote durch Corona in Deutschland! Fachärzte entsetzt - Patienten verschieben Untersuchungen

News (2 / 1) 23.03.2022 00:34 / Simo Symbolbild imago


Eine Ansicht, die auch Prof. Michael Baumann (58), der Vorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums weitgehend teil. Baumann kann zwar noch keinen offiziellen Zahlen nennen, weil diese zum Teil erst mit einer Verzögerung von bis zu zwei Jahren komplett im Krebsregisters vorliegen. Trotzdem macht der Mediziner klar: "Eine britische Studie, die bereits vergangenen Juli erschien, hat allein für die ersten Monate der Pandemie kalkuliert, dass in Großbritannien mit mindestens 7000, im schlimmsten Fall bei anhaltenden Einschränkungen sogar mit bis zu 35.000 zusätzlichen Krebstodesfällen gerechnet werden muss“, erklärt Baumann, der ein ähnliches Ergebnis auch in Deutschland erwartet. Eines der Probleme sei laut Alexander Herzog auch, dass nicht nur planbar chirurgische Eingriffe verschoben werden, sondern die Konzentration auf Covid-19-Patienten zudem h einen negativen Einfluß auf Krebs- und Notfallbehandlungen hätten.

Onkologe fundiert Kritik mit Fallbeispielen

Um seinen Standpunkt zu belegen greift Herzog gerne auf konkrete Beispiele zurück. "Ein besonders krasses Beispiel ereignete sich letzte Woche bei einem meiner Patienten. Er erlitt aufgrund einer Gehirnmetastase einen schweren epileptischen Anfall, der sich durch Notfalltherapie nicht stoppen ließ. Der Notarztwagen kurvte zwei Stunden mit dem krampfenden Patienten durch Bremen auf der verzweifelten Suche nach einer Intensivstation. Schließlich aufgenommen wurde er auf einer Intensivstation, die mit Krebspatienten gar keine Erfahrungen hat. Andere Intensivbetten mussten offenbar für Covid-Patienten frei gehalten werden“, erzählt Herzog. Gleichzeitig habe sich in den Zeiten der Pandemie offenbar auch eine große Angst bei vielen älteren Menschen vor einem Arztbesuch entwickelt. "Sie haben Angst, sich zu infizieren, wenn sie Arztpraxen oder Kliniken betreten. Gerade ältere Menschen sind jedoch mehr durch Krebs gefährdet“, berichtet Herzog. Deshalb kämen viele Patienten erst viel zu spät mit ihren Beschwerden zu einem Arzt, was bei einer Krebserkrankung gar tödliche Konsequenzen haben könnte.