Diese Einstellung zur Rolle brachte ihm ein Angebot für Bryan Singers (53) "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" (2008) ein. Er sollte noch einmal die Rolle des Nazi-Diktators an der Seite von Superstar Tom Cruise (57) übernehmen. Doch Moretti lehnte ab. Wie sein Büro der "APA" damals erklärte, sei er angefragt und vorgesehen gewesen für die Rolle, sagte aber wegen eines bestehenden Vertrages für den österreichischen Film "Das jüngste Gericht" (2008) ab.
In "1½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde" (2008) war er der Schwarze Ritter, während Bruder Gregor als Kerkermeister auftrat. Als nächsten Kinofilm suchte er sich mit "Jud Süß - Film ohne Gewissen" aber wieder ein ganz anderes Pflaster aus. Im Fernsehen ist er bis heute häufig in Krimis zu sehen, spielte aber auch im Kindermissbrauchs-Drama "Im Namen meines Sohnes" (2016) und der Thriller-Serie "Bad Banks" (seit 2018) mit. Zudem ist er immer wieder in der österreichischen Krimikomödienreihe "Landkrimi" dabei - kein Wunder, schließlich beherrscht Moretti alle österreichischen Dialekte.
Knallharte Rolle in "Das finstere Tal"Nach dem Yeti-Kinderfilm "Yoko" (2012) folgte 2014 mit dem vielfach preisgekrönten Alpenwestern "Das finstere Tal" einer seiner größten Karriereerfolge. Er spielte den Antagonisten Hans Brenner, der dem Amerikaner Greider (Sam Riley, 39, "Maleficent - Die dunkle Fee") gegenübersteht. Eine ähnliche Rolle hatte er als Gegenspieler von Jean Reno (70) im Drama "Wie Brüder im Wind" (2015). Schon 2014 spielte er in der irrwitzigen Komödie "Therapie für einen Vampir" die Hauptrolle des Blutsaugers Graf Geza, der sich, seines untoten Lebens überdrüssig, zu Sigmund Freund auf die Couch begibt.
Auch dabei war er im Simon-Brenner-Krimi "Das ewige Leben" (2015) und dem brutalen Action-Thriller "Die Hölle - Inferno" (2017). Seine bislang letzten Streifen für die große Leinwand waren "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" (2018) und der bei den Filmfestspielen in Cannes hochgelobte "Ein verborgenes Leben" (2019) von Regisseur Terrence Malick (75), dem letzten Film der beiden Stars Michael Nyqvist (1960-2017) und Bruno Ganz (1941-2019).
Preisgekrönt und dem Theater treu gebliebenZweimal erhielt er den Grimme-Preis ("Krambambuli" und "Der Tanz mit dem Teufel"), mehrere Romys und neben dem Bayerischen Fernseh- ("Kommissar Rex") auch den Bayerischen Filmpreis ("Das finstere Tal"). Man verlieh ihm das Ehrenzeichen des Landes Tirol, er war Pfeifenraucher des Jahres, Tiroler des Jahres und Österreicher des Jahres.
Dem Theater kehrte er dennoch nie komplett den Rücken zu. So war er am Burgtheater in Wien zu sehen, wie 2009 in "Faust - Der Tragödie erster Teil". 2017 spielte er bei den Salzburger Festspielen dann den berühmten "Jedermann". Aber auch als Opernregisseur betätigte er sich: Für die Mozartwerke "Don Giovanni" in Bregenz und "La finta giardiniera" in Zürich.
Im Privatleben passionierter Bio-BauerPrivat ist Moretti ein eher zurückgezogener Mensch. Er heiratete 1997 seine Frau Julia, mit der er drei Kinder hat. Die älteste Tochter Antonia (21) ist bekannt aus der Sky-Serie "Der Pass" (seit 2019). Neben dem zwei Jahre jüngeren Sohn Lenz gibt es auch noch die kleine Rosa. "Sie war ein glücklicher Betriebsunfall. Sie ist herrlich, einfach der Wahnsinn und erfüllt hundertprozentig das Klischee von einem Nachzügler", erzählte er der "Bild". Gemeinsam lebt die ganze Familie auf einem 400 Jahre alten Bauernhof in Ranggen, einem Ort westlich von Innsbruck.
Moretti ist auch diplomierter Öko-Bauer. Er betreibt eine Rinderzucht und geht früh am Morgen zum Ausmisten in den Stall. Seine Bio-Zucchini werden als "Bergzucchini" im Supermarkt verkauft, schreibt "falstaff". Der passionierte Landarbeiter hat sogar den "Eckart-Witzigmann-Preis" für seinen "kulinarischen Verdienst" eingeheimst.
"Es gibt hier zwei Welten, die sich wunderbar ergänzen. Unser Leben als Künstler und als Landwirte. Aber manchmal ist es so, dass die eine Welt kein Erbarmen mit der anderen hat", sagt Moretti. Auf der anderen Seite des Inntals, in Telfs, wohnt Bruder Gregor mit seiner Frau, Schauspielerin Nina Proll (45, "Vorstadtweiber").
Ralleyverrückt und abenteuerlustigDass die motorsportbegeisterten Brüder irgendwann auf die Idee kamen, 2013 am Nachfolger der Rallye Paris-Dakar mit dem Motorrad teilzunehmen, fand Proll laut "Gala" anfangs blöd und Julia Moretti irrwitzig. "Ich wünsche dem Tobias, dass er im nächsten Leben als seine Frau auf die Welt kommt", zitiert "Der Standard". Seine Frau frage ihn dann, ob er ein Getriebener sei, so Moretti zu "Bild". "Sie hat gesagt: Wo willst du noch hin? Ich habe geantwortet: 'Ich weiß es nicht, die Lust treibt mich an.'" Doch unumwunden ehrlich gibt er auch zu: "In meinem Leben kenne ich mich schon lange nicht mehr aus."