Eine weitere Gefahr, die die Händler durch einen kurzfristigen Lockdown sehen, ist das Chaos, das dadurch bei den Bürgern ausgelöst werden könnte. In diesem Fall würden wohl viele Bürger sich noch vor der Schließung mit Weihnachtsgeschenken eindecken. Dies jedenfalls glaubt Gunnar George, der Geschäftsführer der Handelskette Depot, die etwa 650 Filialen in ganz Deutschland betreibt. "Ein überhasteter, schneller Lockdown, etwa bereits vom kommenden Mittwoch an, würde eher Panik und komplettes Chaos auslösen, weil dann jeder noch schnell in die Stadt will, um Geschenke zu kaufen“, ist sich George sicher. Sollte es wirklich zu einem harten Lockdown kommen, wird der Einzelhandel auf ähnliche Entschädigungen pochen, wie die Gastronomiebranche. "Wenn Läden geschlossen werden, müssen sie mit 75 Prozent des Vorjahresumsatzes entschädigt werden“, erklärte Genth. Allerdings hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine solche Entschädigung am Freitag noch abgelehnt.
Um auf die prekäre Situation aufmerksam zu machen, haben sich nun insgesamt 28 deutsche Einzelhändler in einem offenen Brief an die Bundesregierung gewendet. In diesem Brief warnen die Einzelhändler, dass ein erneuter Lockdown "das Ende der Innenstädte wie wir sie heute kennen“ wäre. "Man darf jetzt keinesfalls das gesamte Weihnachtsgeschäft ausschließlich den Online-Giganten überlassen“, fordern die Unterzeichner des Schreibens, zu denen vor allem Handelsketten zählen, die ihre Filialen in den Fußgängerzonen deutscher Städte betreiben. Zu den Händlern, die den Brief unterschrieben haben gehören unter anderem die Unternehmen New Yorker, Jeans Fritz und NKD sowie Woolworth, Depot und Tedi. "Bei einem erneuten Lockdown droht dem Handel eine Erosion, die menschlich, kulturell und auch wirtschaftlich nicht nur desaströse Folgen, sondern irreparable wirtschaftliche Auswirkungen nach sich zieht“, befürchte die Händler. Man darf also gespannt sein, welche Entscheidung die Politik treffen wird. In dem Entwurf für die am Sonntag stattfindende Sitzung zwischen der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten ist der Vorschlag enthalten, alle Geschäfte außer den Geschäften für den täglichen Bedarf vom 16. Dezember bis zum 10. Januar zu schließen.
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