Auch die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) hält eine Rückkehr zum Regelschulbetrieb für unrealistisch. "Es wird keinen flächendeckenden, vollumfänglichen Regelschulbetrieb wie vor Corona geben", sagte ihr Bundesvorsitzender Udo Beckmann der "Welt". Die Politik habe eine Illusion geweckt und etwas als realisierbar dargestellt, "was selbst bei gleichbleibend niedrigem Infektionsgeschehen nicht umgesetzt werden könnte".
Bereits vor der Corona-Krise habe ein akuter Lehrkräftemangel geherrscht, führte Beckmann aus. "Die personellen Ressourcen reichen trotz Einstellung von Seiteneinsteigenden und der Reaktivierung älterer Lehrkräfte aus Pension und Rente nicht aus." Die bisher geplanten Hygienemaßnahmen zum Schuljahresbeginn werden dem VBE-Chef zufolge nicht ausreichen, "wenn die Gesundheit von allen an Schule Beteiligten einem nicht noch größeren Risiko ausgesetzt werden soll".
Zur von mehreren Bundesländern geplanten Maskenpflicht in Schulen sagte Beckmann, diese sei schnell gefordert. Doch die Umsetzung liege dann wieder bei der Lehrkraft.
Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte zum Beginn des neuen Schuljahres: "Die Schulöffnungen stellen ein hohes Risiko dar." Alle Beteiligten müssten vorsichtig sein und das Abstandsgebot einhalten, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe der "Passauer Neuen Presse".
Grundsätzlich sei es zwar gut, dass es wieder losgehe, sagte die Gewerkschafterin weiter. Bildung sei ein hohes Gut und es sei wichtig, dass Kinder und Jugendliche wieder in die Schule gehen könnten. Aber: "Die Schulen geraten jetzt beim Start im Regelbetrieb in eine schwierige Situation." Sie befürchte, dass es in "manchen Schulen" keinen normalen Regelbetrieb geben könne.
Laut Tepe wäre es besser gewesen, wenn die Gesundheitsämter vorab alle Schulen hätten begutachten und deren Hygienepläne prüfen können. Dabei hätten Fragen geklärt werden müssen wie "Sind die Räume groß genug?" oder "Kann ausreichend gelüftet werden?".