Streeck bestätigt die anfängliche Ansich vieler Virologen, die sich mehr oder weniger einig gewesen seien, dass Covid-19 „nicht bagatellisiert werden sollte, aber auch nicht dramatisiert werden darf“. Danach hätten die Vorfälle in Italien und den USA dazu geführt, dass das Virus gefährlicher gemacht wurde, als es eigentlich sei. "Derzeit allerdings nähern wir uns wieder der Einschätzung aus der Anfangszeit an“, bestätigt Streeck. Als Grund gibt Streeck die sinkenden Risikobewertung an, da es eine große Anzahl von Infektionen gegeben habe, die folgenlos geblieben sind. "Ich glaube auch weiterhin nicht, dass wir am Ende des Jahres in Deutschland mehr Todesfälle als in anderen Jahren haben werden“, bestätigt der Mediziner, während er auf das hohe Durchschnittsalter der Pandemie-Toten hinweist, das in Deutschland bei 81 Jahren liegt.
Hendrik Streeck plädiert für einen realistischen Blick auf die reale Gefahr des Coronavirus. Die schrecklichen Bilder aus New York haben für den Virologen nämlich auch noch eine andere Ursache. Trotz allem erwartet Streeck auch wie in anderen Teilen der Welt ein Abflachen der Infektionswelle. "So schnell hoch ging es dort ja unter anderem deshalb, weil Amerikaner mit Husten und Schnupfen weiter arbeiten gehen. Es gibt dort nicht diese Form der Krankmeldung wie in Deutschland“, behauptet Streeck, der für insgesamt neun Jahre in den USA geforscht hat. Aus diesem Grund sei dort die Zahl der Ansteckungen wesentlich höher als in Deutschland gewesen. Auch den massenhaften Corona-Tests steht Streeck jetzt kritisch gegenüber.
"Je nach Labor kommen im besten Fall 59 Euro pro Test auf das Gesundheitssystem zu – bei 400 000 Stück pro Woche bedeutet es eine Stange Geld. Wenn dann noch systematisch gescreent werden soll, wird es noch mehr. Wenn wir nur ein positives Ergebnis auf hundert Tests sehen, fragt man sich ja, ob das noch lohnt.“ Wie immer läuft es also darauf hinaus, was einem wichtiger ist. Die Sicherung der Gesundheit oder die hohen Kosten, die diese Maßnahmen verursachen.