Das Institute for the Study of War (ISW) glaubt nicht, dass Kremlchef Wladimir Putin tatsächlich verhandlungsbereit ist. So fordere er "die Kapitulation der Ukraine durch 'Entmilitarisierung' und die Übergabe bedeutender Territorien, die Russland derzeit nicht besetzt hält", teilten die Analysten des US-Thinktanks mit. Putin habe zudem an zwei Tagen hintereinander eine Feuerpause in dem Konflikt abgelehnt.
Auch die täglichen russischen Angriffe auf ukrainische Zivilisten lassen Zweifel an Moskaus Friedenswillen aufkommen. Am Montag wurden in der Ukraine mehr als 40 Menschen getötet und über 100 verletzt. Auch ein Kinderkrankenhaus in Kiew wurde angegriffen und schwer beschädigt. Für die Hardliner in Moskau scheint Frieden in der Ukraine keine Option zu sein.
So deutete der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates und ehemalige Präsident, Dimitri Medwedew, bei Telegram an, dass Russland seinen Krieg gegen die Ukraine fortsetzen würde, selbst wenn die Ukraine auf Moskaus Friedensbedingungen eingehen würde. Konkret schreibt Medwedew, selbst wenn die Papiere unterzeichnet wären und "die Niederlage akzeptiert wird" - wofür er einen Regierungswechsel in Kiew voraussetzt - würden die "verbliebenen Radikalen nach einer Umgruppierung der Kräfte früher oder später wieder an die Macht kommen". Das wäre die Zeit für Russland, "die Bestie endgültig zu zerschlagen". Medwedew spricht davon, die verbliebenen ukrainischen Gebiete "in den Schoß des russischen Landes" zurückzuführen. Mit anderen Worten: Russland müsse die gesamte Ukraine erobern und unter russische Herrschaft stellen, nicht nur die vier bereits illegal annektierten östlichen Regionen.