Sträßer: Alles. Ich finde die Figuren, die uns der Autor Hendrik Hölzemann hier an die Hand gegeben hat, unfassbar facettenreich und aus sich heraus strahlend. An Adam im Speziellen mag ich, dass es oft nach Coolness aussieht, er aber alles andere als cool ist. Die explosive Kraft, die dann aus einer Ruhe heraus schießt, aufflammt und - zumindest scheinbar - wieder erlischt.
Kommissar Schürk hat gleich am Anfang eine krasse Szene. Im Bus verteidigt er einen Jungen gegen einen übergriffigen Vater. Was haben Sie gedacht, als Sie das im Drehbuch gelesen haben?Sträßer: Ich dachte: Wow! So führt man eine Figur ein. Ein ganz kurzer Moment erzählt ganz, ganz viel und weckt im Zuschauer, glaube ich, sofort ein Interesse.
Würden Sie es eine Form von Zivilcourage nennen, wie Adam Schürk sich da verhält?Sträßer: Es ist nicht mein persönlicher Weg. Der wäre deutlich pazifistischer. Aber ja, es ist eine Form, auf ein Unrecht zu reagieren. Die moralische Bewertung der Art und Weise überlasse ich anderen. Tausendmal lieber als das viel zu häufige Wegsehen in der Gesellschaft, ist mir das aber allemal.
Ist Ihnen persönlich schon mal etwas passiert, wo Sie Zivilcourage zeigen mussten?Sträßer: Wir sehen uns alle ständig, und besonders jetzt gerade, einer Situation gegenüber, in der wir Zivilcourage zeigen müssen. An den europäischen Außengrenzen wird Menschen ihr Recht auf Asyl verwehrt, wird tatenlos zugesehen, wie ein Virus früher oder später ein Massensterben auslösen wird. Der Zynismus, mit dem diese Unmenschlichkeit hier von der Politik totgeschwiegen wird, hinterlässt mich sprachlos. Wir können uns gerade nicht versammeln und auf die Straße gehen, um uns für diese Menschen in den Lagern und ihre Rechte stark zu machen, aber es gibt andere Wege des Protests und für den Einsatz für Menschenrechte. Check: #leavenoonebehind
Wie und mit wem werden Sie sich die Erstausstrahlung ansehen?Sträßer: Ja, das war vor dem Virus als großes gemeinsames Happening bei mir vorm Beamer geplant. Jetzt wird's wohl im engsten Kreis stattfinden.
Wie gespannt sind Sie auf das Feedback? Ist die Anspannung größer als sonst?Sträßer: Ich bin sehr, sehr gespannt auf das Feedback. Einen Vorgeschmack habe ich schon bei der Preview in Saarbrücken beim Max Ophüls Festival bekommen. Das war alles sehr positiv. Angespannt bin ich aber nicht. Ich weiß, wir haben einen guten Film gemacht und ich freue mich, wenn die Leute den endlich angucken können.
Was ist Ihr nächstes Projekt?Sträßer: Tja, wenn ich das wüsste. Momentan stoppen alle Drehs. Gerade sollte ich eine Komödie in Köln drehen, an der Seite von Corinna Harfouch, aber seit einiger Zeit stehen alle Räder still...