Der Friedrichstadt-Palast in Berlin läuft aktuell "im Sparprogramm". Bernd Schmidt, der Intendant der berühmten Theaterbühne, steht vor einer großen Herausforderung. "Mit jedem Monat, den wir nicht spielen, verlieren wir rund zwei Millionen Euro an Einnahmen", erklärt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.
Aufgeben kommt trotzdem nicht in Frage. "Unser Theater hat schon viele Krisen überwunden. Ich habe daher die große Hoffnung und bin der Überzeugung, dass wir auch diese Situation meistern werden." Jedoch seien vor allem kleinere Institutionen aufgrund fehlender Liquidität besonders akut gefährdet. Gerade in diesen Zeiten sei es deshalb wichtig, dass die Kulturlandschaft zusammenhalte.
Wie stellt sich die Situation momentan am Friedrichstadt-Palast dar?Bernd Schmidt: Seit vergangenem Mittwoch sind 300 unserer insgesamt 467 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - inkl. Minijobs - in Kurzarbeit. Als Theater, das nicht spielt, kommen wir um diese Maßnahme leider nicht herum. Das sind harte Einschnitte für die Betroffenen, aber wir wollen Entlassungen unbedingt vermeiden. Ballett und Showband sind beispielsweise zu 90 Prozent in Kurzarbeit, die Kolleginnen und Kollegen aus der Technik arbeiten nach besonderen Dienstplänen. Wer kann, soll zu Hause arbeiten und wir haben die vorhandenen Abteilungen in A- und B-Teams aufgeteilt, die sich möglichst nicht begegnen, und wenn doch, nur mit dem nötigen Abstand. Der Palast läuft derzeit also im Sparprogramm.
Welche Schwierigkeiten ergeben sich aus der momentanen Situation?Schmidt: Mit jedem Monat, den wir nicht spielen, verlieren wir rund zwei Millionen Euro an Einnahmen. Im März und April sind es bereits knapp vier Millionen Euro. Wir erwirtschaften 85 Prozent unseres Budgets selbst. Dies stellt uns natürlich vor andere Herausforderungen als beispielsweise Staatstheater, die 80 bis 85 Prozent ihrer Kosten durch öffentliche Zuwendungen abdecken. Jeder spielfreie Monat ist für uns daher ein schwerer Schlag in die Magengrube.
Am 10. März lief die vorerst letzte Vorstellung Ihrer "VIVID Grand Show". Was bedeutet der Spielstopp für die Künstler?Schmidt: Es war ohne Frage eine Vollbremsung für alle. Der Applaus ist ja sozusagen das Brot des Künstlers, dementsprechend ist der Vorstellungsausfall natürlich für unsere Show-Beteiligten nicht leicht. Die letzte Vorstellung vor dem beschlossenen Spielstopp war sehr emotional und nun warten alle darauf, dass es wieder weitergehen kann.
Finden überhaupt noch Proben statt?Schmidt: Not macht erfinderisch. Die Tänzerinnen und Tänzer trainieren derzeit in den heimischen Wohnzimmern und das gesamte Ensemble inklusive Ballett-Leitung ist mit Laptops oder Telefonen verbunden. Sechs Wochen Home-Training sind kein Problem, danach wird es problematisch. Für so eine komplexe Grand Show mit über 100 Beteiligten müssen die Künstlerinnen und Künstler zusammen proben können. Hier haben wir auch als Haus eine Verantwortung. Bei einer Wiederaufnahme benötigen wir sicher noch mal zwei Wochen Proben, um die "VIVID Grand Show" wiederaufzufrischen. Diese Zeit nehmen wir uns dann aber auch.
Etliche Theater bieten jetzt Live-Streamings oder Übertragungen an. Was halten Sie davon?Schmidt: Tanz und Akrobatik sind Hauptbestandteil unserer Shows und haben immer mit Körperkontakt zu tun. Einen Paartanz kann man schlecht allein tanzen. Wir sind aber derzeit in Gesprächen und schauen, wie wir die Menschen dennoch in dieser verrückten Zeit erreichen und gleichzeitig alle Abstands- und Sicherheitsregeln einhalten können.
Stehen Sie mit anderen Theater-Intendanten in Kontakt. Versuchen Sie gemeinsam, Lösungen zu finden?Schmidt: Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, dass die Kulturlandschaft zusammenhält, wir sitzen alle im selben Boot. Ein Austausch untereinander hilft uns gerade allen.