Weil er glaubte, dass die Freunde seiner Nichte ihn ebenfalls bestohlen hätten, rief er Sandras engen Freund Christian Z. an und verabredete sich mit ihm. Auf offener Straße erschoss Michele Q. den jungen Pizzabäcker und feuerte vier Schüsse in seinen Oberkörper. Unglaublich: Während Angehörige weinend im Gerichtssaal saßen, zeigte sich Michele Q. unbeeindruckt und äußerte, dass er keine Lust mehr habe, sich zu äußern. Die Taten hatte er bereits in der Haft gestanden. Der psychiatrische Gutachter Dr. Peter Winckler (63) berichtete über das, was der Angeklagte ihm im Gefängnis erzählt hatte: „Eigentlich hätten im Haus der Nichte fünf Personen sterben sollen. Wäre er auf freiem Fuß, hätte er die anderen auch umgebracht.“ Sein Motiv war der Glaube, dass der Freundeskreis seiner Nichte wiederholt Geld von ihm gestohlen hatte.
Ronny Stengel (42), Sprecher der Staatsanwaltschaft, erklärte jedoch: „Nach den durchgeführten Ermittlungen können wir keine Anhaltspunkte dafür erkennen, dass die Nichte und ihre Freunde Geld gestohlen haben. Wir gehen davon aus, dass der Angeklagte sich in diese Vorstellung hineingesteigert hat und er selbst das Geld für einen ausschweifenden Lebensstil ausgegeben und den Überblick verloren hat. Er kaufte insbesondere Kokain.“ Im Prozess traten Angehörige beider Opfer als Nebenkläger auf. An 8 Sitzungstagen sollen 60 Zeugen vernommen werden, ein Urteil wird am 12. Oktober erwartet.