So lief die Live-Show
Um es kurz zu machen: Oliver Pocher, seit über 20 Jahren im deutschen Fernsehgeschäft tätig, einst von Branchengrößen wie Harald Schmidt (62) oder Stefan Raab (53) unter die Fittiche genommen, nutzte den Abend für ein souveränes Feuerwerk aus fiesen Spitzen und gemeinen Kommentaren. Mit "Micha" Wendler hatte er auch noch einen Gegner, der ihm in Sachen Schlagfertigkeit in keiner Phase gewachsen war.
Das fing schon beim Applaus des Publikums an, das in ein Pocher- und ein Wendler-Team geteilt war. "Der Unterschied ist: Bei ihm sind das Gläubiger", lotete Pocher gleich zu Beginn die Grenzen von Moderatorin Wontorra aus. Die erklärte sodann, dass ihr Gelbe und Rote Karte zur Verfügung stünden, falls sie Sprüche als zu tief unter der Gürtellinie empfinde. Dazu kam es aber nicht, auch wenn Pocher es noch einige Male versuchte. Im Gegenteil: Er schien das Ungleichgewicht mehr und mehr festzustellen, verzichtete gegen Ende sogar auf Steilvorlagen für weitere Witze: "Soll ja fair sein."
Augen zu und durchMichael Wendler ließ das Ganze stoisch über sich ergehen. Dass er in beinahe jede rhetorische Falle lief, die Pocher ihm stellte, lächelte er einfach weg. Auch dass Laura Müller in einem solchen Live-Format unsicher, teilweise auch überfordert wirkte, wussten die Beteiligten gut zu kaschieren. Schon während des zweiten Spiels zeigte Wontorra Pocher die Gelbe Karte, "wegen Zeitspiels". Offenbar hatte sie Sorge, Pocher könne zu sehr das Ruder übernehmen. Immerhin verzichtete er darauf, eine Situation auszuschlachten, als Wontorra in die Werbepause moderierte: Müller korrigierte die Position von Wendlers Hand - "zu nah am Po!" war die eindeutige Geste.
Die Spiele, die im dreistündigen Zehnkampf zu absolvieren waren, bewegten sich auf peinlich-lustigem Niveau. Rückwärts abgespielte Wendler-Songs richtig zuordnen, Aly und Müller schätzen lassen, wie gut das Erinnerungsvermögen ihres Partners ist oder Bilderrätsel lösen. Beim Memory-Spielen durfte sich Pocher darüber freuen, dass er Wendler die Regeln erklären musste und bei einer Kissenschlacht freute sich RTL über die Möglichkeit, Müller in hautengen Leggings zeigen zu können. Alles in allem dürften die Macher der Show zufrieden mit dem Abend sein. Es war kurzweilige Fernsehunterhaltung deutscher Tradition, inklusive genau der peinlichen Momente, die man sich im Vorfeld erhofft hatte.