Die Szene ist nur schwer erträglich. In einem Waldstück im Außenbereich des KZs Auschwitz haben die Nazis ein riesiges, begehbares Schachfeld anlegen lassen. Auf den einzelnen Feldern stehen lebende Figuren - KZ-Häftlinge, mit Rasiermessern in den Händen. Ein NS-Sadist in SS-Uniform spielt gegen einen jüdischen Gefangenen. Immer wenn eine Figur vorrückt, muss sie der, deren Platz sie einnimmt, die Kehle durchschneiden...
So schildert die neue Amazon-Serie "Hunters" unter anderem die Gräuel des Holocausts. Doch dieses entsetzliche Schachspiel hat in der Realität nie stattgefunden, es ist eine Erfindung des amerikanischen Serienschöpfers David Weil. Die Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz hat die sadistische Darstellung in "Hunters" scharf kritisiert.
"Eine gefährliche Dummheit und Karikatur""Auschwitz war, wie es die Überlebenden dokumentierten, ein Ort schrecklicher Qualen und des Leids. Ein fiktives menschliches Schachspiel für 'Hunters' zu erfinden ist nicht nur eine gefährliche Dummheit und Karikatur. Es öffnet Tür und Tor für zukünftige Leugner. Wir ehren die Opfer, indem wir bei den Fakten präzise bleiben", schreiben entsetzte Vertreter der Gedenkstätte auf Twitter.
Auschwitz was full of horrible pain & suffering documented in the accounts of survivors. Inventing a fake game of human chess for @huntersonprime is not only dangerous foolishness & caricature. It also welcomes future deniers. We honor the victims by preserving factual accuracy. pic.twitter.com/UM2KYmA4cw
— Auschwitz Memorial (@AuschwitzMuseum) February 23, 2020
Karen Pollock, die Chefin des Holocaust Educational Trust, kritisiert, dass durch solche erfundenen Darstellungen von Folter und Sadismus die Serie den Charakter einer "lockeren Unterhaltung" bekomme. "Wir haben eine echte Verantwortung, die Wahrheit des Holocaust zu bewahren".