Sie hat dann angefangen, ihr eigenes Jetset-Leben zu führen. Schrill, extravagant, bisweilen schockierend. Sie wird die berühmte Punk-Prinzessin, trägt - je nach Auftritt - Rokokokleider oder ein Kettenhemd von Paco Rabanne, feiert in München, London, Paris, New York. Mit Mick Jagger, Prince oder Michael Jackson, auch mit Drogen. "Mein Gott, ich hab alles probiert", sagt sie dem "Wir". Dann wird ihr Mann schwer krank. Nach zwei Herztransplantationen stirbt er 1990 mit 64 Jahren.
Seine Witwe schlüpft in eine neue Rolle: Sie wird Unternehmerin. Das US-Wirtschaftsmagazin "Business Week" wählt sie einst zur "zehntbesten Finanzmanagerin". Die Punk-Phase ist endgültig vorbei. Gloria trägt Bubikopf und keine aufragenden Haartürme mehr. Sie schreibt Bücher, u.a. mit Alessandra Borghese und Kardinal Meisner, malt Prominente gegen Honorar (Moritz Bleibtreu, Claudia Schiffer, Wolfgang Joop) und nimmt Auszeichnungen entgegen (Verdienstkreuz 1. Klasse, Bayerischer Verdienstorden, Komturdame des Päpstlichen Ordens des heiligen Gregor des Großen).
Sie tanzt nicht mehr mit Rockstars auf Tischen, sondern engagiert sich sozial z.B. bei der Bayerischen Stiftung Hospiz. Sie verkehrt mit Geistlichen, mit Bischöfen, Kardinälen und Päpsten. Nur manchmal gönnt sie sich eine kleine äußerliche Exzentrik, etwa wenn sie auf ihrer Harley zum Gottesdienst fährt.
"Zurückhaltender", aber "immer noch draufgängerisch"Dafür strotzen ihre flammenden Glaubensbekenntnisse nur so von ultrakonservativer Verschrobenheit. So findet die Fürstin etwa Kondomautomaten an Schulen "ziemlich daneben". Die hätten dort ebenso wenig verloren wie Zigaretten- oder "Haschischautomaten". Die Teenager "sollen lieber Tennis spielen", sagt sie 2012 in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz (50). Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen hält sie 2017 für "totalen Schmarrn". In der Klimadebatte spricht sie 2019 bei einer Veranstaltung mit Vertretern der Forstwissenschaften von "systematischer Irreführung".
Es ist kein Wunder, dass das Modemagazin "Vogue" in Gloria von Thurn und Taxis "eine der wenigen wahren Exzentrikerinnen" sieht, "die Deutschland hervorgebracht hat. Hochgezogene Augenbrauen ignorierte sie mit einer Nonchalance, die ihresgleichen suchte".
Sie selbst sagt im "Zeit-Magazin" von 2017, das Schwierige im Leben habe sie geprägt: "Die Krankheit meines Mannes, der Tod, die Einsamkeit, die wirtschaftlichen Probleme und die menschlichen Enttäuschungen. Ich bin auch sehr zynisch geworden, aber ich habe Freude am Leben und bin neugierig auf die Menschen. Eigentlich finde ich, dass ich mich gar nicht verändert habe. Ich bin zurückhaltender geworden, aber vom Charakter her bin ich immer noch draufgängerisch."
Im berühmten Fragebogen der "FAZ" hat sie einmal auf die Frage "Was möchten Sie sein?" geantwortet: "Ein Elefant im Porzellanladen." Das mag im Kern ihr Wesen erklären, und man kann wohl ohne Übertreibung behaupten, dass sie sich diesen Wunsch eindrucksvoll erfüllt hat.