Nach Meinung von Tom Marzek-Manser, der als Analyst beim britischen Unternehmen ICIS angestellt ist, seien die aktuellen niedrigen Gaspreise auf lange Sicht nicht realistisch. Dieser argumentiert, dass ein Kälteeinbruch im Winter wieder zu steigenden Preisen führen könnte. Bis die Abhängigkeit von russischem Gas in Europa nicht vollkommen der Vergangenheit angehöre, müsse man immer wieder mit einem starken Ansteigen der Gaspreise rechnen. Auch die gedrosselte Nachfrage nach Gas aus der Industrie trägt zu dem niedrigen Gaspreis bei. Viele Unternehmen haben ihre Produktion Herr und ihren Verbrauch heruntergefahren. Weil die Preise nun aber sinken, könnten sich diese Unternehmen jetzt verstärkt wieder eindecken. Dann könnte die Nachfrage wieder Fahrt aufnehmen und den Preis wieder nach oben treiben. Der Effekt würde dann sozusagen auf den kommenden Winter verschoben werden, warnen die Experten. Denn dann könnte es für die europäischen Länder ab dem kommenden Frühjahr deutlich schwerer werden, ihre Speicher für den Winter 2023/2024 zu füllen.