Und deshalb hat nun auch die staatliche Propaganda in Russland das Land auf's Korn genommen. Dort wird die Haltung von Kasachstan immer heftiger kritisiert. Doch offenbar lässt sich der Qassym-Schomart Toqajew (69), der Präsident Kasachstan nicht einschüchtern. Beim zuletzt durchgeführten Wirtschaftsforums in St. Petersburg hatte Toqajew zwar neben Putin gesessen, war jedoch deutlich auf Distanz zum russischen Präsidenten gegangen. So weigerte er sich die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk offiziell anzuerkennen. Nun ist Russland ein Dorn im Auge, dass Toqajew der EU mehr Öl liefern wollte. Daraufhin kam es schon kurz darauf zu einem überraschenden Urteil in Russland. Dort war daraufhin ein 30-Tage-Stopp der CPC-Pipeline angeordnet worden, mit der Öl zu einer Verladestelle im Schwarzen Meer transportiert wird. Russland hatte also Kasachstans Zugang zum Weltmarkt gekappt. Deshalb plant das Land nun sich weiter unabhängig zu machen, Mit dem Bau einer Pipeline durch das Kaspische Meer. So könnte das kasachische Öl dann über Aserbaidschan in den Westen gelangen und würde Russland komplett umgehen.
Wie man sieht, reagiert Russland nicht nur gegen seine politischen Gegner aggressiv, sondern schreckt auch bei Verbündeten nicht vor dieser Strategie zurück, wie der kasachische Politologe Dosim Satpaev deutlich macht. "Russland überschreitet ständig rote Linien in den Beziehungen zu seinen Nachbarn, ignoriert deren wirtschaftlichen Interessen und provoziert so die Gegenreaktionen. So hat Russland, zum Beispiel, innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion einseitig beschlossen, ohne uns dabei zu fragen, Weizenexport zu drosseln", schildert Satpaev. Aus diesem Grund sieht der Experte nun eine temporeiche Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. "Und sie werden sich noch weiter verschlechtern“, ist Satpaev sicher. Denn einer der Gründe wieso Kasachstan den Krieg in der Ukraine nicht unterstützt, sind rund zwei Millionen Russen, die im Norden Kasachstans leben. Diese fordern einen Anschluss an Russland. Aus diesem Grund fürchtet man, dass es Kasachstan schon bald ähnlich ergehen könnte, wie der Ukraine. Offenbar scheint man deshalb nun eine deutliche Distanz zu Russland markieren zu wollen.