Doch offenbar halten sowohl Wirtschaftsminister Robert Habeck als auch Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) nichts davon die Laufzeiten der Atomkraftwerke noch einmal zu verlängern. "Einem kleinen Beitrag zur Energieversorgung stünden große wirtschaftliche, rechtliche und sicherheitstechnische Risiken entgegen", hatte es zuletzt aus den beiden Ministerien unisono geheißen. Aktuell laufen in Deutschland lediglich noch die Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2. Deutschland hat sich als eines der wenigen Ländern weltweit dazu entschlossen, komplett aus der Atomenergie auszusteigen. Vor allem in anderen europäischen Ländern werden dagegen sogar weitere Atomkraftwerke gebaut. "Die deutsche Energiewende ist zum Scheitern verurteilt", urteilt deshalb auch die italienische Nuklearforscherin Annalisa Manera (ETH Zürich).
Deshalb sei eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken auch die bessere Lösung. Vor allem deshalb, weil es beim Öko-Strom noch immer an fehlenden Speichermöglichkeit mangelt. "In ganz Europa gibt es derzeit Batteriespeicher, die gerade mal die Stromproduktion von anderthalb Minuten aufnehmen können", erklärte Manera. Selbst der geplante Ausbau bis ins Jahr 2030 auf 15 Minuten sei bei weitem nicht ausreichend. "Zusätzlich zur Solar- oder Windenergie wird es deshalb also weiterhin Gas-, Kohle- oder Kernkraftwerke brauchen", ist sich Manera sicher. Zudem seien Atomkraftwerke im Vergleich zu Kohlekraftwerken deutlich sauberer und kostengünstiger in der Produktion. . Allerdings bieten Atomkraftwerke halt auch die Gefahr von Unfällen, Erdbeben und Terroranschläge. Außerdem muss eine sicher Lösung für die Brennstäbe gefunden werden. Experten gauben allerdings, dass man mit dem Betrieb von Atomkraftwerken mindestens ein Viertel der Gas-Lieferungen aus Russland ersetzen könnte.