Ein Sieg von Le Pen könnte zur Folge haben, dass die neue Präsidentin die Beziehung zur EU und auch zur deutschen Regierung deutlich abkühlen würde. "Und als Nächstes würde sie ins Nato-Hauptquartier gehen und sagen: Wir ziehen die französischen Soldaten aus Ost- und Mitteleuropa ab, wir übernehmen nicht länger die Speerspitze der schnellen Eingreiftruppe der Nato“, befürchtet Frankreich-Expertin Kempin. Zudem sei in diesem Zusammenhang dann auch mit einem französischen Veto bei der Aufnahme von Schweden und Finnland in die NATO zu rechnen. Trotz bester Voraussetzungen sei es Macron nicht gelungen mit Le Pens Nähe zu Putin zu punkten. Und dass, obwohl sich die Populistin im Wahlkampf deutlich gegen Sanktionen für Russland ausgesprochen hat, weil diese der französischen Wirtschaft angeblich schaden. Zudem dürfte Le Pen auch die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine stoppen.
Die auffällige Haltung zu Russland so unter anderem damit zusammenhängen, dass Le Pen nach Aussagen ihrer Kritiker noch immer mit Millionenbeträgen bei russischen Banken verschuldet ist. Diese Kredite seien von ihrer Partei im Jahr 2014 bei der First Czech-Russian Bank aufgenommen worden. Angeblich geht es um einen Kredit von neun Millionen Euro. Deshalb wird argumentiert, dass sich der Kreml in die französische Politik eingekauft habe. Die Bank ist mittlerweile pleite und mit der Eintreibung der ausstehenden Schulden ist der russische Oligarch Gennadi Timtschenko beauftragt, der wiederum ein enger Vertrauter von Wladimir Putin ist. Auch für die aktuelle Wahl hat Le Pen einen Kredit von 10,6 Millionen Euro aufgenommen. Diesmal über eine ungarische Bank, deren Namen die Politikerin nicht nennen will. Kritiker vermuten deshalb, dass auch diesmal wieder russische Geldgeber hinter dem Kredit stehen. "Sie hängen von Russland, von Monsieur Putin ab“, hatte Macron Le Pen am Mittwoch bei einem TV-Duell gegen Le Pen gesagt. Nun muss man hoffen, dass die französischen Wähler die Gefahr einer Wahl von Le Pen begreifen.