Vor dem Einsatz solcher Waffen wurde von Seiten der westlichen Staaten nochmals gewarnt. So schrieb die britische Außenministerin Liz Truss (46) bei Twitter, dass der Einsatz chemischer Waffen eine weitere Eskalation wäre, für die man Putin und dessen militärische Führung zur Verantwortung ziehen werde. Auch der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, erklärte am Montagabend, man habe erste Informationen über einen Chemiewaffenangriff in Mariupol erhalten. "Wenn diese Informationen stimmen, sind sie sehr besorgniserregend“, sagte Kirby. Allerdings erklärt Petro Andruschtschenko, ein Berater des Bürgermeisters von Mariupol, dass man bisher keine Bestätigung für einen Einsatz von Chemiewaffen habe und auf "offizielle Informationen vom Militär“ warte. Offenbar steht die Stadt allerdings kurz vor dem Fall, da den ukrainischen Soldaten die Munition ausgeht und diese bereits am Wochenende von einer möglichen "letzten Schlacht" gesprochen hatten.
In der fast vollständig zerstörten Stadt sind im Lauf der Kämpfe mindestens 10.000 Menschen Zivilisten gestorben, wie Bürgermeister Vadym Boychenko (44) mitteilt. Die Anzahl der Opfer könne aber auch noch auf bis zu 20.000 ansteigen. In der von den Russen belagerten Stadt, die ehemals 400.000 Einwohner zählte, sollen sich immer noch rund 120.000 Zivilisten aufhalten. Diese hätten kaum Zugang zu Nahrungsmitteln, Trinkwasser oder Medikamenten. Mariupol ist für die Russen von strategisch wichtiger Bedeutung, da die Stadt eine direkte Landverbindung zur 2014 von den Russen annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim und zu den von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten im Donbass garantiert.