Wenn man Awen fragt, dann wurde er genau wie sein
langjähriger Geschäftspartner Michail Friedman zu Unrecht vom Westen bestraft. So beruhen die Vorwürfe gegen ihn auf "böswilligen und vorsätzlichen Unwahrheiten", hatte Awen nach Verhängung der Sanktionen gegen ihn erklärt. Er selbst habe Putins Krieg kritisiert, doch die EU hingegen stufte Awen als "einen der Putin am engsten vertrauten Oligarchen" ein. Auch die britischen Behörden halten Awen für einen kremltreuen Oligarchen. Nach seinem Wirtschafts-Studium in Moskau hatte Awen gemeinsam mit Michail Friedman die Alfa-Group aufgebaut. Das Finanzimperium ist unter anderem im Besitz der Alfa-Bank, die gleichzeitig die größte russische Privatbank ist. Sein Geld machte Awen vor allem mit Investments im Öl-Geschäft. 2013 verkaufte Awen seine Anteile an der staatlichen Firma Rosneft an Putin-Freund Igor Setschin. Danach gründete Awen dann die milliardenschwere Investmentfirma LetterOne.
Allerdings steht wohl außer Zweifel, dass eine derart erfolgreiche Karriere nicht ohne gute Beziehung in die russische Politik nicht möglich gewesen wäre. Bis heute will Awen allerdings von einer Nähe zu Wladimir Putin nicht wissen. "Das ist sehr seltsam, nur weil man den Präsidenten trifft, wird man sanktioniert. Wir versuchen, uns absolut aus der Politik herauszuhalten. Bei Putin habe ich die Alfa-Gruppe vorgestellt, nicht mich selbst", versucht sich Awen gegenüber der "Financial Times" zu verteidigen. Sämtliche seiner Anteile an LetterOne seien eingefroren. Nicht einmal um die Mitarbeiter zu treffen dürfe er ins Büro gehen. Dehalb ist er auch vom Posten als Präsident der Alfa-Bank zurückgetreten. Awen plant mit seiner Familie in London zu bleiben und gegen die gegen ihn erhobenen Sanktionen vorzugehen. Doch offenbar gibt es Probleme einen Anwalt zu finden, der diese Klage betreut. Awen argumentiert, dass die Sanktionen keine Auswirkung auf Putin haben. "Es ist verständlich. Aber es ist nicht fair", beschreibt Awen die Situation. Doch gleichzeitig will er sich nicht beschweren. Denn anderswo würden immerhin gerade Menschen wegen des Ukraine-Kriegs sterben.