Beliebtheitswerte. Noch werden die Proteste auf der Straße mit aller Gewalt unterdrückt. Doch jeder weitere Tag im Krieg erhöht das Risiko. Besonders dann, wenn sich nicht schnell Erfolge bei den russischen Truppen einstellen und der Krieg für Monate oder Jahre andauert. Angesichts der aktuellen Lage spricht auch Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) von einem "Afghanistan-2.0-Szenario“. Dies könnte Putins Position an der Spitze des Kremls bald ernsthaft gefährden.
So sieht der Experte durchaus Ähnlichkeiten zur
sowjetischen Intervention in Afghanistan in der Zeit zwischen 1979 bis 1989. Dort mussten sich die russischen Truppen gegen die islamistischen Guerilla-Kämpfer der Mudschahedin verteidigen. Auch diese waren in einem Stellvertreter-Krieg vom Westen mit Waffen unterstützt worden. In den Jahren des Krieges sind dort mehr als 13.000 sowjetische Soldaten ums Leben gekommen und etwa dreimal so viele kamen als Kriegsinvaliden in die Heimat zurück. "Ein solches Szenario wäre militärisch fatal und würde das Land wirtschaftlich ausbluten lassen“, glaubt Meister. Zudem würde Russland selbst sich den Status eines Paria-Staat zementieren, der selbst Putins Erzählung vom ruhmreichen Befreiungssieg relativieren würde. Sollte der Krieg also länger andauern ist mit erhöhtem Druck der russischen Elite zu rechnen. Und die ist auch im Geheimdienst und in den hohen Militärkreisen vertreten. "Erst wenn in dieser Gruppe die Unzufriedenheit wächst, wird es unangenehm“, warnt der Russland-Experte, der jedoch klarstellt, dass man von diesem Szenario zur Zeit noch weit entfernt sei. So bleibt eine Revolution der Bevölkerung die einzige Möglichkeit, die das Putin-Regime mittelfristig in die Knie zwingen könnte. Vor allem junge Menschen protestieren bereits gegen Putins Politik. Der 25-Jährige russische Schachgroßmeister Daniil Dubow bringt die Stimmung in einem Interview mit der Magazin "Wir“ auf den Punkt: "Es gibt eine große Zahl von Menschen, die dieselben Werte teilen wie die Europäer“, erklärte er. Man darf also gespannt sein, wie sich die Situation weiter entwickelt.