Teil dieser russischen Strategie sei es gewesen, den Westen immer wieder zu testen. Hinter diesem Hintergrund seien die Intervention in Georgien 2008 und auch die Annexion der Halbinsel Krim 2014 zu verstehen gewesen. Doch der Westen hatte auf diese Alarmsignale nicht reagiert. Außer Protesten sei damals nichts passiert. Ist es nun überhaupt noch möglich Putin zu stoppen? Keiner der Experten glaubt ernsthaft, dass Putin die Operation abbrechen und seine Truppen aus der Ukraine abzieht, da dies einen Gesichtsverlust bedeuten würde, wie Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger zuletzt klargestellt hatte. "Wir müssen dafür sorgen, dass der Krieg nicht auf unser Gebiet überschwappt“, nennt Babst nun die dringlichste Aufgabe.
Zudem müsse sich der Westen und die NATO wieder aufrüsten, um Stärke zu demonstrieren. "Putin muss wissen: Ein Angriff auf ein Land des Atlantischen Bündnisses wäre zugleich ein Angriff auf alle anderen“, verdeutlicht Historiker Prof. Heinrich August Winkler. Und tatsächlich erlebt die NATO durch das Bedrohungsszenario von Putin gerade ein Wiederauferstehung.
Wie genau das Verhältnis zwischen Russland und der NATO weiterentwickeln wird, hängt zum Großteil vom Verlauf des Krieges in der Ukraine ab. Sollte Russland das Land besetzten und dort eine Marionetten-Regierung installieren, dann dürften sich die Fronten zum Westen weiter verhärten. "Es könnte sogar auf einen neuen Kalten Krieg hinauslaufen. Im Herzen Europas“,warnt Babst deshalb und gibt sich besorgt: "Das könnte sich zu einem globalen Kalten Krieg entwickeln.“ Auf jeden Fall werde die Entwicklung des Konflikts weitergehende Auswirkung auf Kooperqationen und wirtschaftliche Zusammenarbeit haben. Ganz abschätzen könne man die Konsequenzen zum jetzigen Zeitpunkt fast nicht.