Die Leopoldina empfahl zudem eine intensivere Forschung zu antiviralen Medikamenten. Die vorhandene Impfstoffe seien zwar ein großer Fortschritt in der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme der wissenschaftlichen Gesellschaft. Dennoch bestehe weiterhin Handlungsbedarf bei der Entwicklung von antiviralen Medikamenten. Zum einen sind wirksame und kostengünstige antivirale Medikamente speziell gegen Covid-19.
Zum anderen sollten mit Blick auf künftige Pandemien breit wirksame Medikamente entwickelt werden, die gegen verschiedene Arten einer Virusfamilie wirken. Spezifische Wirkstoffe gegen Corona würden "auch dann noch wichtig sein, wenn das Virus nach Abklingen der Pandemie endemisch wird und dauerhaft in Teilen der Bevölkerung zirkuliert". Schwere Krankheitsverläufe könnten sich etwa bei Ungeimpften und bei Menschen entwickeln, die auch nach mehrmaliger Impfung keinen ausreichenden Immunschutz aufbauen.
Die wenigen vorhandenen Medikamente reichten nicht aus, erklärte das Leopoldina-Mitglied Helga Rübsamen-Schaeff.
"Wichtig sind hochwirksame Wirkstoffe, die möglichst früh nach Infektion eingesetzt werden können, um die Virusvermehrung und die Weitergabe der Erreger zu stoppen." Leicht verfügbare Medikamente zum Schlucken oder zur Inhalation seien auch in solchen Regionen der Welt von großer Bedeutung, in denen die Bevölkerung keinen ausreichenden Zugang zu Impfstoffen und einer medizinischen Infrastruktur
Zudem dürfe die Entwicklung von Wirkstoffen nicht erst dann beginnen, wenn ein neues pandemisches Virus aufgetreten ist, erklärte der Virologe Ralf Bartenschlager. "Sie sollte schon im Vorfeld mit Nachdruck vorangetrieben werden." Wichtiges Konzept dabei sind Breitbandwirkstoffe ‒ Medikamente, die gegen möglichst zahlreiche Arten einer Virusfamilie wirksam sind.