Schon während der Studie zur Zulassung hatte sich allerdings gezeigt, dass die Schutzwirkung des Impfstoffes mit 66 Prozent deutlich niedriger liegt, als die Schutzwirkung der Impfstoffe von Biontech und Moderna, die zu etwa 95 Prozent vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen. Für den deutschen Virologen Carsten Watzl, dem
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, ist es daher wenig überraschend, dass es bei den mit amerikanischen Impfstoff geimpften Menschen zu mehr Impfdurchbrücken kommt. Dies verdeutlichte Watzl in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Auch für den Immunologe Christian Bogdan, Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko), kommt dieses Ergebnis nicht überraschend. Es sei klar gewesen, dass der Impfschutz durch den Johnson&Johnson-Impfstoff ebenfalls wie der Schutz der anderen Impfstoffe zeitlich limitiert gewesen sei. Vor allem bei Menschen über 60 Jahren sei die Immunantwort kürzer als bei jüngeren Menschen. Zudem könne auch das Auftreten der hochansteckenden Delta-Variante die Zahlen der Impfdurchbrüche weiter erhöhen.
Trotzdem betonte Watzl noch einmal, dass auch der Impfstoff von Johnson&Johnson ebenfalls vor einem schweren Verlauf oder dem Tod durch eine Corona-Erkrankung schütze. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hätten laut Watzl kürzlich empfohlen, alle Menschen, die zuvor mit AstraZeneca oder Johnson&Johnson geimpft wurden, nach 6 Monaten noch einmal mit einem mRNA-Impfstoff zu impfen. "Immunologisch macht das absolut Sinn, da wir bereits wissen, dass so eine Kreuzimpfung wunderbar funktioniert und einen sehr guten Schutz gibt“, bestätigt Watzl. Allerdings wurde diese Auffrischung selbst offiziell bisher nicht angeboten. Eine klinische Studie von Johnson&Johnson hatte schon im August gezeigt, dass eine weitere Impfung eine deutliche Steigerung der Immunantwort zur Folge hätte. Laut Johnson & Johnson könne man so die Produktion der Antikörpern im menschlichen Körper um das Neunfache erhöhen, wenn man sie mit den Werten im Abstand von 28 Tagen zu der Einzeldosis betrachte. Welcher Abstand dazu allerdings zwischen der Erst- und der Zweitimpfung notwendig ist, hatte das Unternehmen bisher nicht bekannt gemacht.