Zur Zeit bestimmt in Deutschland die Delta-Variante das Infektionsgeschehen und ist das beste Beispiel für eine "gelungene“ Mutation. Denn sie hat die meisten anderen in Deutschland entdeckten Varianten des Virus komplett verdrängt. Statistiken beweisen, dass die Delta-Variante 99 Prozent aller Neuinfektionen auslöst. Trotzdem gibt es zahlreiche weitere Varianten des Virus, die sich aber bisher nicht in Deutschland durchsetzen konnten, auch wenn es bereits nachgewiesene Fälle gegeben hat. Die jetzt unter Beobachtung gestellte Mu-Variante B.1.621 stammt offenbar ursprünglich aus Kolumbien und wurde erstmals im Januar 2021 registriert. Durch die Einstufung der WHO scheint nun jedoch deutlich zu werden, dass die internationalen Experten durchaus ein Potenzial bei der Mu-Variante sehen, die sie gefährlich machen könnte. Denn diese weist offenbar auch sogenannte Fluchtmutationen auf, die unter Umständen dazu führen könnten, dass die bei den Impfungen verabreichten Antikörper nicht mehr so wirkungsvoll gegen diese Variante sind. Allerdings müssen weitere Untersuchungen diese ersten Einschätzungen noch bestätigen.
Aktuell ist die Variante Mu in Kolumbien für 39 Prozent der Ansteckungen verantwortlich und im Nachbarland Ecuador gehen 13 Prozent der Infektionen auf Mu zurück. Weltweit ist ihr Anteil mit 0,1 Prozent jedoch verschwindend gering. Auch in Europa gibt es bereits Einzelfälle der Mu-Variante. So wurden unter anderem in Frankreich bereits 79 Fälle positiv auf Mu getestet. Auch in Großbritannien wurden schon 32 Fälle entdeckt. In Deutschland dagegen wurde bisher erst ein einziger Fall in einem der Lageberichte des Robert-Koch-Instituts erwähnt. Ob sich die Mu-Variante in Deutschland weiter ausbreiten wird, muss sich also erst noch zeigen. Dazu müssten Untersuchungen der Variante Mu und der derzeit dominanten Delta-Variante durchgeführt werden. Eine britische Studie hatte unlängst bestätigt, dass die Mu-Variante der ursprünglich in Brasilien entdeckten Beta-Variante ähnlich ist. "Wie hoch die Gefahren einer solchen Variante ist, hängt von deren Verbreitung ab“, heißt es in dem britischen Bericht. Aktuell gibt es aber offenbar keine Hinweise darauf, dass sich die MU-Variante gegen Delta durchsetzen könnte