Zuletzt hatte sich gezeigt, dass vor allem niederschwellige Impfungen erfolgreich sind. Also diejenigen, die ohne großen Aufwand für die Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Kirchen, Supermärkten oder Fußballstadien angeboten werden. Außerdem setzt das deutsche Gesundheitsministerium vermehrt auf Aufklärung. Seit einiger Zeit läuft eine Informations-Kampagne für die man rund 20 Millionen Euro investiert hat. "Ein niedrigschwelliger Zugang zur Impfung hilft, aber das reicht nicht“, kritisiert Verhaltensökonomin Nora Szech vom Karlsruher Institut für Technologie. Denn damit könne man maximal fünf Prozent mehr Menschen zur Impfung motivieren. Stattdessen schlägt Szech vor auf eine Impfprämie in Form von Bargeld zu setzen. "Über Prämien können sie dreimal so viele Menschen mobilisieren“, ist sich Szech sicher. So könne man das Impfziel relativ schnell erreichen, weil es nun vor allem darum gehe "uninteressierte und bildungsferne Bürger“ anzusprechen. "Die können 500 Euro gut gebrauchen“, glaubt Szech. Dabei sei es zweitrangig, ob diese Prämien vom Staat oder den jeweiligen Arbeitgebern bezahlt werden. Viele Unternehmen in den USA lassen es sich Geld kosten, damit sich ihre Mitarbeiter impfen lassen. Auch in Deutschland bieten erste Firmen den Mitarbeitern Bonus-Prämien für Impfungen.
Vom Regensburger Edeka-Kaufmann Raphael Dirnberger erhalten vollständig geimpfte Mitarbeiter eine Prämie von 200 Euro. Fast alle der 170 Beschäftigten hatten sich beteiligt. "Selbst Angestellte, die vorher skeptisch waren, haben sich impfen lassen“, erklärt Dirnberger und führt dann weiter aus: "Ich habe viel positives Feedback bekommen“. Eine Win-Win-Situation für das Unternehmen "Wir werden weniger Arbeitsausfälle aufgrund von Krankenständen oder Quarantäne verzeichnen“, ist sich Dirnberger sicher. Das IT-Unternehmen SAP verschenkte für jede Zweitimpfung ein Los mit dem man Freikarten beim lokalen Bundesliga-Verein TSG Hoffenheim gewinnen konnte. Lotterieanbieter Lotto24 organisierte die erste deutsche Impf-Lotterie nach amerikanischem Vorbild. Hier können Impfwilligen bis zu 250.000 Euros gewinnen. Grundsätzlich begrüßt Szech den Einfallsreichtum der Unternehmen und der Behörden die Menschen zur Impfung zu bewegen. Nach dem Ifo-Institut beträgt der soziale Wert der Impfung etwa 1.500 Euro pro Person. "Bei einer ausgezahlten Prämie von 500 Euro sparen Geimpfte der Gesellschaft also immer noch 1000 Euro“, rechnet Szech vor. Mit einer solchen Prämie könnten die noch fehlenden 30 Prozent der Bundesbürger von der Impfung überzeugt werden.