Dieser sieht die Sache nämlich offensichtlich anders. "Erst einmal finde ich es richtig, aus der Warte zu denken, wie man wieder Normalität wagen kann. Da gehört natürlich die Impfung dazu." Trotzdem sieht der Experte die 2G-Regel als kritisch an: "Die Problematik, die ich an der 2G-Regel sehe, ist die Frage, was man damit erreichen will." Nach Streecks Meinung sei ein solches Vorgehen begründet, falls ein medizinischer Notstand in den Krankenhäusern vorliegen würde. Doch in der aktuellen Situation sieht Streeck eher die Absicht den "Druck auf Ungeimpfte zu erhöhen. Da stehen wir dann vor der Frage, ob es ein Impfdruck oder nicht sogar eine indirekte Impfpflicht wird", kritisierte Streeck. Zudem kritisierte der Virologe, dass die 2G-Regel
auch suggerieren würde, "dass von einem Getesteten ein höheres Risiko ausgehen würde als von einem Geimpften oder Genesenen". Diese sei jedoch laut Streeck wissenschaftlich nicht belegt. "Man könnte auch anders herum argumentieren, dass ein Getesteter wahrscheinlich eine niedrigere Wahrscheinlichkeit hat, das Virus weiterzugeben als ein Geimpfter", gab Streeck zu bedenken. Denn schließlich hatten Studien gezeigt, dass sich auch Geimpfte in einigen Fällen weiter mit dem Virus infizieren können. "Gerade jetzt im Herbst und Winter, wo wir in einer volatilen Lage sind, da dann auf die Tests zu verzichten, finde ich schwierig", kritisierte Streeck.
Eva Quadbeck, die stellvertretende Chefredakteurin des "RedaktionsNetzwerks Deutschland", hatte ebenfalls einen Kritikpunkt. Sie forderte eine bessere Kommunikation der Politik im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie: "Ich glaube, dass man den Menschen sagen muss, die 2G-Regel ist das schärfste Schwert, das man noch hat, um mit der Bevölkerung die Pandemie zu bekämpfen. Es ist der Lockdown für die Ungeimpften." Die Abschaffung der kostenlosen Tests im Oktober sei laut Quadbeck positiv, weil es den Ungeimpften noch eine Bedenkzeit verschaffe, in denen diese das Mögliche Pro und Contra einer Impfung gegeneinander abwägen könnten. "Was ich schwierig finde, wenn man nicht über 2G spricht, wenn man es im Wahlkampf mehr oder weniger unter der Decke hält", forderte Quadbeck mehr Offenheit. So verhindere man auch dann bei steigenden Infektionszahlen und größerem Zulauf von Patienten in den Krankenhäuserm von heute auf morgen zu sagen: "Und ab übermorgen haben wir übrigens 2G". Diese Maßnahme müsse nach ihrer Ansicht kommuniziert und ausdiskutiert werden. In dieser Hinsicht spricht sich Quadbeck für langfristige Ansagen und klare Vorgaben aus. Damt zeigte sich auch Hendrik Streeck einverstanden: "Es bringt herzlich wenig, immer mehr Druck aufzubauen, sondern man muss mehr werben und aufklären, was der Impfschutz kann."