Anna Maria Mühe: "Wir waren hungrig auf das Leben"

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Anna Maria Mühe: "Wir waren hungrig auf das Leben"

Stars (1 / 1) 28.12.2020 17:06 / Peter Symbolbild ZDF / Anke Neugebauer


Bauhaus-Serie "Die Neue Zeit" im ZDF

Im Rahmen des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums zeigt das ZDF die sehenswerte TV-Serie "Die Neue Zeit". Ausgestrahlt werden die sechs Episoden in Doppelfolgen am heutigen Sonntag (15.9.), Montag (16.9.) und Dienstag (17.9.) ab jeweils 22:15 Uhr.

Alle Folgen umgibt eine Rahmenhandlung, die im Jahr 1963 in New York spielt. Der inzwischen 80-jährige Walter Gropius (1883-1969, gespielt von August Diehl), Bauhaus-Gründer und international gefeierter Architekt, gibt der Journalistin Stine Branderup (Trine Dyrholm) ein Interview. Das Thema: die Rolle der Frauen am Bauhaus. Branderup wirft Gropius vor, Frauen an seiner Schule zwar zugelassen, letztlich aber auch unterdrückt zu haben. Gropius wehrt sich und erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive.

Und hier kommt auch die vielfach ausgezeichnete Berliner Schauspielerin Anna Maria Mühe (34) ins Spiel. Sie verkörpert die eingangs brave Kunststudentin Dörte Helm (1898-1941), aus der im Laufe der Zeit eine rebellische Künstlerin und Kämpferin für Gleichberechtigung wird. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt Mühe von den aufwendigen Drehvorbereitungen. Dabei verrät sie auch, ob sie sich ein Leben in einer Landkommune vorstellen könnte und ob sie denkt, dass das Thema Gleichberechtigung heute noch aktuell ist.

Frau Mühe, Dörte Helm und Walter Gropius gab es wirklich. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden auch?

Anna Maria Mühe: Die Liebesgeschichte, die wir erzählen, ist fiktiv. Über Walter Gropius weiß man aber, dass er seinen Studentinnen gegenüber nicht abgeneigt war. Ob das aber nun auch mit Dörte so war oder nicht, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Viele andere Dinge, wie zum Beispiel das Ehrengericht, sind aber belegt.

Wie ist es für Sie als Künstlerin, sich so intensiv mit der Kunstgeschichte beschäftigen zu können?

Mühe: Das war natürlich sehr spannend. Ich hatte auch viel Zeit für die Vorbereitung. Die drei Monate waren tatsächlich auch nötig, weil es so viel Material gibt und ich auch viel selber machen wollte. In der Zeit hatte ich sehr viel Zeichenunterricht, habe Weben gelernt, hatte Tanzunterricht. Ich habe mich mit den Dingen beschäftigt, die Dörte auch innerhalb unserer Geschichte machen muss. Das war mir wichtig, um mich mit den Materialien anzufreunden, mit denen ich auch vor der Kamera gearbeitet habe.

Haben Sie dabei irgendetwas entdeckt, was Sie privat weitermachen möchten?

Mühe: Ich habe entdeckt, dass ich privat nicht weben würde, weil mir dazu die Ausdauer fehlt und mir der Rücken dabei wehtut. Aber ich war in einem tollen Webkurs und hatte sehr gute Lehrer. Es ist wirklich ein unfassbar schönes Handwerk, aber einfach nicht mein Hobby geworden. Dafür bin ich beim Malen mutiger geworden. Ich habe schon immer gerne gebastelt, als Kind bereits und auch jetzt als Mutter mit meiner Tochter. Aber ich habe immer wenig gezeichnet. Seit den Dreharbeiten traue ich mich, das einfach mal zu tun. Ich habe verstanden, dass man gerade beim Zeichnen natürlich ein gewisses Talent braucht, dass es aber auch einer Portion Mut bedarf, einfach loszulegen.

Dörte lebt vorübergehend in einer Landkommune. Könnten Sie sich sowas auch vorstellen?