Günter Netzer wird 75: König von Gladbach und geliebter TV-Feind

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Günter Netzer wird 75: König von Gladbach und geliebter TV-Feind

Stars (2 / 1) 28.12.2020 17:06 / Günter Symbolbild 360b / Shutterstock.com


Die eigene Disse, ein Ort für unbeschwerten Spaß und ausgelassenen Kontrollverlust - für Spießer Netzer schlichtweg eine clevere Investition in Zeiten, in denen Fußballer noch nicht jeden Monat mehrfache Millionäre wurden.

Unvergessene Wortgefechte

Doch genau das ist der Punkt - Netzer kokettiert gerne mit der öffentlichen Wahrnehmung bezüglich seiner Person. Natürlich muss in diesem Hinblick auch seine unverwechselbare Beziehung zu Gerhard Delling angesprochen werden. Eine, in der so unfassbare Weisheiten wie diese Netzers Mund verließen: "Die meisten Spiele, die 1:0 ausgingen, wurden gewonnen."

Als geliebte TV-Feinde traten die beiden auf - Netzer als Schmalspur-Kinski zu Dellings Werner Herzog. 13 Jahre lang sollten sie sich vor den ARD-Kameras wie ein altes Ehepaar und für die Zuschauer ausgesprochen unterhaltsam kabbeln. Mit Sprüchen wie "Ihr Pseudowissen ist hier nicht gefragt!", wies Netzer sein Gegenüber gerne in die fußballfernen Schranken. Der konterte keck mit Retourkutschen der Marke: "Sie sind der Experte - Betonung liegt auf Ex." Da war Netzer erstmal baff.

"Nun nehm' Sie schon"

Wie sehr die beiden ihre vermeintliche Sportstudio-Fehde für die Kameras kultiviert hatten, blitzte immer wieder durch, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte. Das stete Tröten der Vuvuzelas bei der WM 2010 in Südafrika etwa versetzte die beiden in einen charmanten Lachanfall. Und den letzten Schluck seiner Cola schenkte Delling einst auch dem "Miesepeter" neben sich ein. "Ich will gar nichts", beschwerte der sich dabei noch. "Nun nehm' Sie schon", erwiderte Delling bestimmend. Eine Szene wie aus einem Loriot-Sketch.

Auch im Privatleben siezen sich die beiden, sind aber ungleich inniger als es angesichts ihrer TV-Gefechte zwischen 1997 und 2010 den Anschein haben könnte. Netzer ist Dellings Trauzeuge und einer seiner wenigen Freunde, wie er vor Jahren im bereits erwähnten "Zeit"-Interview mit dem treffenden Titel "Die Siezfreunde" verraten hat. "Freundschaft verlangt mir ein Maximum an Höchstleistungen ab", reihte Netzer im Doppelgespräch mit Delling Superlative aneinander, als er über seinen guten, ja vielleicht besten Freund redete. Und im Gegensatz zum Privat- und Berufsleben eines Günter Netzers kann beste Freunde nun wirklich niemand trennen.