O'Connor und weitere Kollegen vom Gesundheitsamt in Madison und Dane County haben im Zeitraum der Monate Juni und Juli 2021 Untersuchungen durchgeführt, bei denen sie die Viruskonzentration in Nasenflüssigkeitsproben bestimmt hatten. Dabei dient dann der sogenannte Ct-Wert dazu, die Viruskonzentration in der Probe zu bestimmen. Je niedriger der Ct-Wert der Probe ist, umso mehr virales genetisches Material ist vorhanden. Die Forscher verglichen dann die Ct-Werte von 719 Personen im Zeitraum zwischen dem 29. Juni und dem 31. Juli. , 90 Prozent der 122 sequenzierten Coronavirus-Proben hatte dabei die Delta-Variante aufgewiesen. Von 311 geimpften Personen, die trotzdem positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden waren, hatten die meisten einen Ct-Werte von unter 25. Dies beweist das Vorhandensein von infektiösem Sars-CoV-2-Partikeln. Bei einer näheren Untersuchung der Proben mit einem Ct-Wert von unter 25 fanden die Forscher dann tatsächlich infektiöse Viren. Die meisten ungeimpften Covid-19-Patienten wiesen ebenfalls ähnliche Werte auf.
"Es kann wahr sein, dass geimpfte Menschen das Virus verbreiten können. Aber wir wissen noch nicht, wie groß ihr Anteil an der Gesamtverbreitung in der Gemeinschaft ist«, erklärt Mitautor Thomas Friedrich, der ebenfalls als Virologe an der Universität Madison in Wisconsin angestellt ist. Auch andere Daten aus den USA kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Deshalb raten die Experten den geimpften Menschen sich auch weiterhin an Hygieneregeln zu halten und sich so gut es geht zu schützen. Wie es scheint ist es durchaus möglich, dass sich die Delta-Variante auch bei häuslichen Zusammenkünften blitzschnell ausbreitet.
Daten aus der amerikanischen Stadt Houston belegen, dass seit März 2021 etwa 17 Prozent der durch die Delta-Variante verursachten Covid-19-Fälle geimpfte Personen betroffen haben. Im Vergleich zu anderen Varianten des Virus ist die Rate der Impfdurchbrüche etwa 3 Mal höher. Zudem wurde herausgefunden, dass Patienten mit einer durch Delta ausgelösten Infektion auch etwas länger im Krankenhaus bleiben, als Menschen, die sich mit anderen Varianten infiziert hatten. "Möglicherweise liegt der Infektion eine etwas andere Biologie zu Grunde", glaubt James Musser, Molekularpathologe und Direktor des Zentrums für molekulare und translationale Forschung. Sein Team hat herausgefunden, dass sich die Ct-Werte bei geimpften und ungeimpften Personen ähnelten. Allerdings scheinen geimpfte Menschen nur für einen kürzeren Zeitraum infektiös zu sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich nun so viele Menschen so schnell wie möglich doppelt gegen das Coronavirus impfen lassen.