Für Nagel sind vor allem die stark erhöhte Impfgeschwindigkeit, die gestiegenen Temperaturen, die flächendeckenen Schnelltests bei Schule, Arbeit und Freizeit sowie die steigenden Anzahl an Menschen, die sich bereits mit dem Virus infiziert haben, ausschlaggebend für den Rückgang verantwortlich. Ab einer Quote der Erstimpfungen von 35 % sinke die Reproduktionszahl des Virus um etwa ein Viertel. Zusätzlich könnte dieser Effekt sogar noch größer sein. Denn generell wurde in Großbritannien entdeckt, dass sich die Menschen vor dem eigenen Impftermin noch vorsichtiger verhalten, um eine Infektion zu vermeiden. Doch noch ist die Gefahr nicht vorbei: "Es ist zu befürchten, dass der starke momentane Abwärtstrend sich etwas abschwächen wird“, warnt Statistiker Prof. Dr. Christian Hesse von der Universität Stuttgart. Denn dann werden sich die aktuellen Lockerungen in Deutschland wohl noch einmal bemerkbar machen.
"Lockerungen bedeuten immer eine Zunahme von Kontakten und eine Zunahme von Kontakten führt unweigerlich auch zu einer größeren Zahl von Neuinfektionen“, erklärt der Statistiker. Trotzdem sieht auch er positiv in die Zukunft. "Generell können wir aber erwarten, dass wir im Sommer bei Inzidenzen von 10 oder weniger liegen“, prognostiziert Hesse. Offenbar wendet sich das Blatt wirklich. Denn nun sind sogar hartgesottene Kritiker von Lockerungen optimistisch.
"Wir haben das Gröbste hinter uns und sind am Ende dieser schweren Zeit angekommen. Wenn sich bis zum Herbst 80 Prozent der Menschen in Deutschland impfen lassen, ist eine fulminante Rückkehr der Pandemie mit einem weiteren Lockdown extrem unwahrscheinlich“, erklärte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in einem Interview mit der "Bild am Sonntag". Also scheint für die Zukunft ein klein wenig Optimismus angesagt.