Bei Marieke Molter liegt der Fall anders. Die 25-Jährige würde sich lieber heute als morgen impfen lassen. Zur Zeit verbringt die junge Frau in Elternzeit und hat kaum Kontakt zu anderen Menschen. "Jeder Tag ist irgendwie gleich, meine Tochter kennt andere Menschen nur draußen, mit Maske. Ich würde mich freuen, wenn wir zusammen zum Babyschwimmen, in eine Krabbelgruppe oder zum Kinderturnen gehen könnten, aber das ist alles nicht möglich", klagt die junge Frau, die zwar auch Bedenken wegen der Nebenwirkungen hat, sich aber trotzdem sofort mit AstraZeneca impfen lassen würde. "Einfach um endlich wieder einen Alltag zu haben, in den Baumarkt oder ins Café zu gehen." Aber auch sie erhält keinen Impftermin. Denn noch immer ist der Impfstoff knapp und die Wartelisten voll. Andererseits kommt es immer wieder vor, dass Menschen über 60 Jahren auf einen mRNA-Impfstoff bestehen und ihren Termin absagen, wenn ihnen eine Impfung mit AstraZeneca angeboten wird.
Hausarzt Christian Kröner aus Neu-Ulm kennt diese Probleme mittlerweile gut. "Wir spielen dieses Spiel nicht mit, es geht einfach nicht", sagt der Mediziner, der bereits 3.500 Voranmeldungen für Impfungen auf seiner Warteliste hat. Dabei handelt es sich um Menschen aus ganz Deutschland, da in der Bundesrepublik die freie Hausarztwahl gilt. "Wenn die alle BioNTech wollen, dann sind wir bis Weihnachten nicht fertig", macht Kröner deutlich in dessen Praxis seit April geimpft wird. Wobei die 20 Euro pro Impfdosis nicht der Anreiz für Kröner sind, sondern viel mehr der Wunsch so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zu impfen. "Ich habe im Moment 1.000 Impfdosen AstraZeneca und 120 BioNTech-Dosen im Kühlschrank. Wenn ich jetzt anfange, denen BioNTech zu geben, die meinen, sie brauchen ihn, dann habe ich keinen mehr für die Leute, die ihn medizinisch wirklich brauchen: vor allem junge Frauen und Schwangere." Deshalb versucht Kröner auf die Patienten einzuwirken und denen klarzumachen, das es sich nicht um ein Wunschkonzert handelt. "Wer sich nicht mit AstraZeneca impfen lassen möchte, hat ein gutes Recht dazu. Aber dann sind sie nicht mehr in der Prio, dann sind sie dran, wenn wir genug haben – und das dauert", erklärt der Arzt, der von einer großen Nachfrage nach Impfstoff auch unter jungen Menschen berichtet. Man darf gespannt sein, wie sich die Situation entwickeln wird, wenn die Impfpriorität tatsächlich fällt.