Regisseur Denis Villeneuve (52) zählt nicht erst seit seiner gelungenen Sci-Fi-Fortsetzung "Blade Runner 2049" zu den vielversprechendsten Filmemachern der Welt. Im Jahr 2015 begeisterte und schockierte der Kanadier schon mit dem knüppelharten Thriller "Sicario".
Für den zweiten Teil, der am 10. Mai erstmals im deutschen Free-TV (23:05 Uhr, ProSieben) zu sehen ist, zeichnet jedoch sein Kollege Stefano Sollima (54, "Suburra") verantwortlich. Villeneuves Handschrift vermisst man in dem überraschend gut gelungenen "Sicario 2" nicht, sehr wohl aber einen rechtschaffenen Charakter wie jenen von Emily Blunt (37), der die Zuschauer in Teil eins noch an die zittrige Hand nahm.
Keine Zeit für GewissensbisseÜber die Grenze zwischen den USA und Mexiko werden schon lange nicht mehr ausschließlich Drogen geschmuggelt. Menschenhändlerringe verdienen sich ein goldenes Näschen, indem sie verzweifelte Familien über die Grenze und ins Land der unendlichen Möglichkeiten führen. Nicht ohne ihnen zuvor das Ersparte abzuknöpfen und auf die Gefahr hin, sofort geschnappt und wieder zurückgebracht zu werden - oder gar als Leiche auf der anderen Seite anzuschwemmen. Doch unter die illegalen Einwanderer mischen sich zunehmend auch Terroristen, die via Mexiko am leichtesten in die USA gelangen können.
Nach einem verheerenden Anschlag in einem Supermarkt schmiedet die US-Regierung samt des Präsidenten einen Plan, der im Vergleich mit dem Vorgehen der Menschenhändler keinen Deut besser zu sein scheint: Die jugendliche Tochter eines mexikanischen Kartellbosses soll entführt und die Tat einer anderen Verbrechergruppe in die Schuhe geschoben werden. Auf diese Weise hofft man, dass sich die Kartelle gegenseitig den Garaus machen.
Strippenzieher der moralisch verwerflichen Aktion ist wieder einmal ein gewisser Matt Graver (Josh Brolin, 52), der dabei auch seinen gefürchteten Bluthund Alejandro (Benicio del Toro, 53) von der Leine lässt - der hat mit dem Vater des zu entführenden Mädchens ohnehin noch eine grausame Rechnung offen.
Nur die Realität ist härterNicht nur für zarte Gemüter könnte die schonungslose Darstellung von Gewalt an und rund um die Grenze zwischen den USA und Mexiko zu zermürbend sein. Zur Aufheiterung taugt "Sicario 2" nicht - also so gar nicht.
Sehr wohl aber für die Botschaft, dass letztendlich auf beiden Seiten der Grenze das Gesetz des Stärkeren herrscht. Dass es sich keiner leisten kann, Idealist zu sein - hüben wie drüben. Die Kartelle nutzen Kinder als Schleuser, die geheime Einrichtung um Brolins Charakter Matt Graver bombardiert nach und nach die einzelnen Familienmitglieder eines Gefangenen, um an Informationen zu kommen. Im Vergleich zum bereits sehr düsteren ersten Teil scheinen die Figuren noch einmal gehörig an Skrupel verloren zu haben.