Der Konflikt um das Immigrationsgesetz im Dezember hatte Macron unter Druck gesetzt. Das Schlüsselprojekt des Präsidenten wurde nach Zugeständnissen an die konservativen Republikaner in letzter Minute verabschiedet. Der verschärfte Gesetzestext führte jedoch zu Spannungen innerhalb der Macron-Fraktion. 20 Abgeordnete aus Macrons Reihen stimmten gegen den Text, 17 enthielten sich. Dies führte zum Rücktritt des Gesundheitsministers Aurélien Rousseau. Es gab Gerüchte, dass weitere Kabinettsmitglieder des linken Flügels erwogen, die Regierung wegen des Gesetzes zu verlassen. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron kämpft bereits seit anderthalb Jahren mit der Herausforderung, keine absolute Mehrheit in der Nationalversammlung zu haben.
Sie ist auf die Stimmen der Opposition angewiesen. Premierministerin Borne (62) versuchte, unaufhörlich Kompromisse zu finden, fand jedoch keinen verlässlichen Partner im Parlament. Macrons Hauptprojekt der Rentenreform wurde schließlich ohne Endabstimmung in der Nationalversammlung durchgesetzt. Es wird erwartet, dass Macron nach den internen Querelen mit einem erneuerten Kabinett gestärkt vorangehen und sein Lager zusammenhalten will. Im Frühjahr stehen bereits die Europawahlen an, bei denen Marine Le Pens Rechtsnationale Macrons Truppe deutlich überholen könnten. Mit den Olympischen und Paralympischen Spielen in Paris im Sommer steht Frankreich zudem vor organisatorischen Herausforderungen, bei denen das Land Handlungsfähigkeit und Einheit nach außen zeigen möchte.