Sie war "fasziniert von der Klarheit und Zielstrebigkeit, mit der Christian mir zeigte, dass er mit mir zusammen sein wollte. Er hatte für sich eine Entscheidung getroffen und war bereit, dafür die Konsequenzen zu tragen. Unser Zusammensein sorgte für einigen Wirbel. Ein konservativer, katholischer Spitzenpolitiker trennt sich nach vielen Jahren Ehe, um mit einer jüngeren, alleinerziehenden Frau zusammenzuleben. Obwohl wir in einer recht offenen Gesellschaft leben, gab es einige Personen auf dem politischen Parkett, denen das überhaupt nicht gefiel [...]", erinnert sie sich.
Ein Leben in der ÖffentlichkeitBettina Wulff beschreibt den "heftigen Druck", dem das Paar von Anfang an ausgesetzt war.
"Natürlich hat das was mit mir gemacht. Eine Konsequenz war, dass ich damit begann, meine wahren Gefühle weniger zu zeigen. Meine Emotionen, jegliche Gefühlsregung bei öffentlichen Auftritten zu unterdrücken. Was ich wirklich dachte, für mich zu behalten. Früher war ich in dieser Hinsicht deutlich offenen gewesen. Nun versuchte ich aus Unsicherheit - wie ich wohl im Licht der Öffentlichkeit wirkte - mein Verhalten unter Kontrolle zu halten und meine Rolle an der Seite von Christian möglichst optimal auszufüllen. Ich wollte allen zeigen, dass ich dem öffentlichen Leben gewachsen war."
Das sah dann so aus: "Wenn ich etwas irgendwie komisch fand, unterdrückte ich ein Lächeln. War mir eher zum Weinen zumute, fragte ich mich, ob ich das jetzt wirklich zeigen darf - und hielt die Tränen zurück. Das alles ließ mich, im Nachhinein betrachtet, wohl ziemlich kühl und berechnend wirken, zwei Eigenschaften, die mir nach meinem Empfinden überhaupt nicht entsprechen."
Ein Rat von Michelle ObamaUm dem Druck, allen Ansprüchen gerecht zu werden, habe sie sich selbst verbogen: "Der seelische Druck in meinem Inneren war irgendwann mindestens ebenso hoch wie der gefühlte Druck von außen." Das galt auch für ihre Zeit als First Lady. Michelle Obama (56) habe ihr bei einem Treffen auf der amerikanischen Flugbasis Rammstein einen Rat gegeben.
"Ich solle immer versuchen, ein normales Familienleben aufrechtzuerhalten und vor allem die kleinen Rituale mit den Kindern pflegen. Das ehemalige US-Präsidentenpaar scheint dies auf eine liebevolle Art und Weise geschafft zu haben, denke ich, wenn ich ab und an Bilder der Familie sehe. Für mich war dieser Spagat wohl letztlich zu groß", erinnert sich Wulff.
Sie habe sich angepasst und ihre eigenen Bedürfnisse eher zurückgesteckt. "Eine Weile lang ging das gut. Längere Zeit hatte ich die Hoffnung, dass es irgendwann sicher wieder anders werden würde und wir endlich mehr Zeit füreinander haben könnten. Aber es wurde nicht besser. Und nun merkte ich, dass ich nach und nach an meine Grenzen kam. Aus der Ernüchterung wuchs Enttäuschung. Über die gesamte Situation, ein Leben voller äußerer und innerer Zwänge. Auch über mich selbst, dem gesetzten Rahmen nicht mehr entsprechen zu können. Irgendwann stand für mich fest: So konnte und wollte ich auf Dauer nicht leben. Dazu kam das ungute Gefühl: 'Ich kann es niemandem erzählen, wie ich mich gerade fühle'. Dem Partner nicht, den Freunden nicht und der Familie sowieso nicht. Diese Spannung auszuhalten und dennoch zu funktionieren, war für mich sehr schwer."
Schließlich war es soweit: "Jeder Bogen ist irgendwann überspannt, dann ist der Bruch nicht mehr aufzuhalten. Die vielen Konflikte hatten Spuren hinterlassen. Die Trennung im Januar 2013 war aus meiner Sicht letztlich unausweichlich."
Das neue LebenMittlerweile lebt sie mit ihrem Freund Jan-Henrik Behnken (48) zusammen. Er ist Musiklehrer und hat Wulffs Söhne unterrichtet. Und sie hat in dem Chor gesungen, den Behnken leitet. Da war Bettina Wulff gerade wieder mit ihrem Ehemann liiert. Ein Paar wurden sie und Behnken aber erst später. "Manchmal" frage sie dieser Jan: "Wann fängst du endlich an, gnädig mit dir selbst zu sein?" Sie habe sich viel vorgenommen, vor allem: "Ich will innerlich gelassener bleiben."
In ihrem Buch schreibt Bettina Wulff viel von Gott und ihrer Gewissheit: "Gott lässt mich nicht allein und bringt mich durch alles." Momentan wachse bei ihr die Erkenntnis, "dass Gott vollkommene Liebe ist".
Christian und Bettina Wulff heirateten im Jahr 2008. 2013 folgte die Trennung. Zwei Jahre danach hatten sie wieder zusammengefunden und kirchlich geheiratet. Ende Oktober 2018 war erneut Schluss: Der gemeinsame Rechtsanwalt Christian Schertz bestätigte damals der Deutschen Presse-Agentur die Trennung.