Meister der Zensur-Umgehung
Hitchcock war einer dieser perfektionistischen Filmemacher, die jede Facette des Films in eigener Hand sehen wollen, vom Anfang bis zum Endschnitt. Da passte es ihm selbstredend überhaupt nicht in den Kram, dass seiner künstlerischen Freiheit durch den sogenannten Hays Code (Richtlinien für US-Filme) von 1930 bis in die 60er Jahre pseudomoralische Fußfesseln angelegt wurde.
Doch natürlich fand das gewiefte Schlitzohr mal mehr mal weniger offensichtliche Methoden, um den Zensur-Sittenwächtern eins auszuwischen. Berühmtestes Beispiel die Sexszene zwischen Cary Grant und Eva Marie Saint am Ende von "Der unsichtbare Dritte". Vom noch erlaubten Kuss der beiden schnitt Hitchcock auf einen Zug, der in einen Tunnel braust - da braucht es keinen Sigmund Freud, um zu wissen, was Zug und Tunnel in diesem Moment symbolisierten...
Meister der MeisterFür über 50 Filme zeichnete Hitchcock von der Stummfilmära an bis ins Jahr 1976 (sein letzter Film: "Familiengrab") verantwortlich. Bis heute ist er der Regisseur mit den meisten Filmen in der Top 250 der Internetseite "imdb.com" (Internet Movie Database"). Acht seiner Filme haben es in die renommierte Bestenliste geschafft, so viele wie von keinem anderen Filmemacher.
Martin Scorsese (77), Steven Spielberg (73), Stanley Kubrick (1928-1999) oder Christopher Nolan (49) weisen derzeit allesamt sieben Streifen darin auf. Letzterer könnte angesichts seines Alters die besten Chancen haben, mit Hitchcock gleichzuziehen oder, Gott bewahre, in gar zu überflügeln. Das wäre dem Ausnahme-Regisseur auch 40 Jahre nach seinem Tod wohl noch "very much indeed" ein Dorn im Auge.