Inge V. (89) sitzt in ihrem Zimmer und blickt traurig in den Garten. Sie fühlt sich im grünen Grunewald wohl und hat sich seit ihrem Einzug im März gerade erst eingelebt. Nun weiß sie nicht, wohin sie soll. Tapfer lächelnd sagt sie: "Vielleicht unter die Erde". Die beiden Pflegeheime sind schon seit Jahren in einem desolaten Zustand. Reparaturen wurden vernachlässigt. Ein Mitarbeiter bemerkt: "Mir ist aufgefallen, dass es nach Todesfällen viele leer stehende Zimmer gibt. Als Grund wurde jedoch immer Personalmangel genannt". Viele vermuten daher, dass die Schließung schon lange geplant war. Der Leiter der Einrichtung wollte sich auf Anfrage von uns nicht dazu äußern.
Die Angehörigen stehen nun vor der Herausforderung, schnell einen neuen Platz für ihre Liebsten zu finden. Das gestaltet sich jedoch schwierig, da sie wichtige Unterlagen von der Leitung benötigen, die seit Tagen nicht erreichbar ist. Es ist eine Schande! Die Entscheidung, das Pflegeheim zu schließen anstatt zu sanieren, führte bereits in anderen Bezirken zur Schließung von Pflegeeinrichtungen. Im August musste ein Neuköllner Pflegeheim des Diakoniewerks Simeon schließen, da kein Geld für die Sanierung vorhanden war. Das Haus wurde verkauft und soll nach der Sanierung 300 Flüchtlingen zur Verfügung stehen. In Wedding sind im März 294 Flüchtlinge in das ehemalige Pflegeheim der Johannisstift-Diakonie an der Müllerstraße gezogen.