Wie können die Berater bei häuslicher Gewalt oder sexueller Missbrauch helfen? "Wenn Kinder anrufen, kann man ihr Gefühl, dass da was nicht in Ordnung ist, bestärken", sagt Zacharias. Sie bekämen auf diese Weise eine emotionale Entlastung: "Es ist gut, dass ich mich mitgeteilt habe und mein Gefühl trügt mich nicht." In extremen und akuten Fällen "würde ein Berater das Kind schon dazu ermutigen, das zu melden". Die Polizei sei ja auch nach wie vor aktiv. "Wir selbst melden das nicht, weil wir ein anonymes Angebot sind. Aus diesem Grund rufen die Kinder ja bei uns an", erklärt sie weiter.
Man könne im Übrigen auch "völlig anonym schreiben", was gerade in einer beengten häuslichen Situation manchmal leichter sei. Außerdem gibt es "samstags von 14 bis 20 Uhr" das Angebot, "bei uns mit glelichaltrigen zu sprechen". Das sei inzwischen der "beliebteste Anruftag". "Die jugendlichen Berater haben vielleicht gerade selbst Liebeskummer gehabt und ihn gut überstanden", nennt sie ein thematisches Beispiel für solche Gespräche unter Gleichaltrigen.
Was ist die "Corona-Kurve"?Bei "Nummer gegen Kummer" gibt es auch ein "Elterntelefon". In diesen Gesprächen geht es aktuell viel darum, was man tun kann, damit den Kindern nicht die Decke auf den Kopf fällt. Die Kinder sollten "nicht eingesperrt" werden, rät die Beraterin. Carpendale bestätigt, dass einige Eltern das denken würden. "Das liegt auch ein bisschen an dieser Kampagne 'Stay at home'", bei der selbst mitgemacht habe. Das zu vermitteln sei am Anfang "ganz ganz wichtig gewesen", aber nun gebe es ja "Regeln und wir dürfen raus".
Carpendale ruft dazu auf, sich über die Regeln am jeweiligen Wohnort zu informieren. "Gerade für eure Kids. Die müssen jetzt nicht zuhause eingesperrt bleiben". Das bestätigt auch die Beraterin. "Ja, das ist eine ganz wichtige Info, dass man trotzdem vor die Tür kann. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und dem müsse man auch nachkommen, sonst demolieren sie einem die Bude", sagt Anne Zacharias. "Bleibt Zuhause" sei auf Corona-Partys, den Abstand beim Einkaufen etc. bezogen. Radeln, Waldspaziergänge etc. seien aber möglich.
Dann erzählt die Expertin noch eine kleine Geschichte aus ihrer eigenen Familie: Den größeren Bogen, den ihre Kinder dem Rad nun um andere Menschen machen müssen, nennen sie familienintern "die Corona-Kurve".