Mit ruhiger Stimme und eindringlichem Blick setzt sich Habeck in einem knapp zehnminütigen Video nicht nur mit islamistischem, sondern auch mit rechtsextremem Antisemitismus auseinander. Er äußert Besorgnis über den Antisemitismus in Teilen der politischen Linken, auch bei jungen Aktivisten, und betont, dass es eine "Verkehrung der Tatsachen" sei, die Hamas als Freiheitsbewegung darzustellen. Im Gegensatz dazu äußert sich Annalena Baerbock in der ZDF-Sendung "Was, nun...?" zurückhaltender. Im Interview verteidigt sie erneut die deutsche Enthaltung bei der Abstimmung über die Gaza-Resolution in der UN-Vollversammlung. Sie argumentiert, dass Deutschland die wichtige Rolle zukommt, Gesprächskanäle zu anderen Akteuren in der Region wie Ägypten oder Jordanien offen zu halten. Diese Enthaltung wurde zuvor von verschiedenen Seiten, darunter der israelische Botschafter in Deutschland und der Zentralrat der Juden, kritisiert.
Baerbock betont, dass es in dieser schrecklichen Situation keine einseitige Sichtweise gibt. Sie appelliert an die Bereitschaft, sich immer wieder in die Lage der anderen zu versetzen, um sicherzustellen, dass Israel in Frieden und Sicherheit leben kann, genauso wie jedes andere Land auf der Welt, und dass Palästinenser frei von der Hamas in Sicherheit und Frieden leben können. Auch zum Thema "muslimischer Antisemitismus" äußert sich Baerbock vorsichtig und betont, dass in Deutschland für Antisemitismus kein Platz ist, unabhängig von seiner Herkunft, sei es von rechts, links, von Zugewanderten oder Einheimischen. Die Reaktionen im Netz auf diese Aussagen von Habeck und Baerbock sind unterschiedlich. Während Habeck für seine klaren und entschiedenen Worte gelobt wird, erntet Baerbock Kritik. Einige loben Habeck für seine staatsmännische Rede und sehen in ihm einen geeigneten Bundeskanzler. Andererseits wird Baerbock für ihre Ausführungen in dem Interview kritisiert, und es wird die deutsche Außenpolitik in Frage gestellt.