Die Idee, die Ukrainer in Deutschland auszubilden und ihnen dann den Einsatz der Taurus-Marschflugkörper zu überlassen, wird von Kritikern von Scholz unterstützt. Der Kanzler hält dies jedoch für zu riskant, da ein falsches Ziel schwerwiegende Folgen haben könnte. Die CDU kritisiert die Entscheidung des Kanzlers gegen Taurus als fatal. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen (58) bezeichnete Scholz' Weigerung als Beitrag zur Verlängerung des Krieges und als moralisch und politisch schwerwiegend verfehlt. Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (65) nannte die Haltung von Scholz "unfassbar" und sagte, dass das anhaltende Zögern mit fragwürdigen Argumenten Menschenleben koste.
Nach Informationen von BILD prüft die Bundesregierung derzeit eine andere Möglichkeit, die Ukraine zu unterstützen, nämlich durch einen deutlichen Ausbau der Luftabwehr. Beim Treffen von 40 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Politischen Gemeinschaft in Granada (Spanien) sagte Scholz dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (45) zu, ein zweites Patriot-Luftabwehrsystem für den bevorstehenden Winter zu liefern. Selenskyj bedankte sich für die deutsche Unterstützung. Es wird jedoch noch geprüft, ob noch mehr Patriot-Systeme geliefert werden können. Es liegt ein Angebot aus der Rüstungsindustrie vor, das derzeit geprüft wird. Deutschland hat derzeit nur 12 Patriot-Staffeln. Daher könnte die Bundeswehr das bereits an die Ukraine gelieferte System nachbestellen, was etwa 4 Milliarden Euro kosten würde. Damit hätte die Bundeswehr die Möglichkeit, der Ukraine mehrere Patriot-Systeme zur Verfügung zu stellen und die dringend benötigte Luftabwehr sicherzustellen. Es ist auch theoretisch möglich, dass die drei Systeme, die Deutschland bis Jahresende in Polen in Betrieb hat, an die Ukraine gehen könnten.
Allem Anschein nach will Scholz also vorwiegend Waffen zum Schutz der Ukraine und keine Waffen für mögliche Angriffe auf russisches Staatsgebiet liefern.