Nach zahllosen Groupies fängt er ein Verhältnis mit der amerikanischen Funk- und Soul-Sängerin Betty Davies an. Danach spannt er seinem besten Freund George Harrison dessen Ehefrau Pattie Boyd aus, für die er den Welthit "Layla" schreibt und die er heiratet. Harrison nimmt ihm das nicht weiter krumm und nennt ihn seinen "husband in law", "Schwieger-Ehemann". Während der Ehe mit Pattie zeugt er Kinder mit Yvonne Kelly und Lory Del Santo. Er hat eine Affäre mit dem Model Carla Bruni, die er wieder an Mick Jagger verliert, es folgt ein Intermezzo mit Sheryl Crow.
Schließlich begegnet ihm 1999 in den USA die 31 Jahre jüngere Melia McEnery, die für seinen Freund Giorgio Armani arbeitet. Sie bittet um ein Autogramm für ihren Onkel - und wird seine zweite Ehefrau und Mutter von drei Töchtern. Seitdem ist Ruhe eingekehrt, bisweilen geht "Slowhand" mit der Gemahlin auf die Jagd und schießt Wildenten.
"Ich weiß nicht, wie ich überlebt habe"Die Ruhe tut dem Weltstar gut, denn es gab genügend unruhige, auch dunkle Zeiten in seinem Leben. Der junge Clapton "vertilgte Apotheken von Drogen und soff bodenlos", schreibt die "Zeit". Er selbst schildert in seiner Autobiografie, wie er volltrunken fischen geht, hinfällt und dabei seine Angelrute zerbricht. "Die beiden Angler, die das beobachtet hatten, wandten sich verlegen ab."
Der "Sunday Times" erzählt er später, dass er als "waschechter Alkoholiker" gegenüber seiner ersten Ehefrau Pattie Boyd gewalttätig geworden sei. Parallel dazu entwickelt sich eine Heroinsucht. Jahrelang habe er in einer "Wolke aus rosa Watte" gelebt. Erst mehrere Entziehungskuren und eine neuartige Elektrotherapie bringen ihn wieder in die Spur zurück, Pete Townshend hilft ihm beim musikalischen Comeback. "Ich weiß nicht, wie ich überlebt habe", sagt er in der Zeitschrift "Classic Rock".
Tragische SchicksalsschlägeWie bei vielen außergewöhnlichen Künstlern wird auch Eric Claptons Leben von einer schicksalhaften Tragik umweht. Einige seiner besten Freunde sterben früh: Jimi Hendrix, dessen Karriere er gefördert hatte, 1970, 1990 kommt der Ausnahmegitarrist Stevie Ray Vaughan bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben. 1997 wird der Modeschöpfer Gianni Versace erschossen, und 2001 stirbt der Ex-Beatle George Harrison an Lungenkrebs.
Das grausamste Erlebnis ist der Tod seines Sohnes Conor am 20. März 1991. Das vierjährige Kind war mit seiner Mutter, der italienischen Schauspielerin Lory del Santo, zu Besuch in New York. Beide wohnten in einem Apartmenthaus im 53. Stock. Die Haushälterin hatte gerade die Fenster geputzt und ließ eines davon offenstehen, um den Raum zu lüften. Durch dieses offene Fenster stürzte das Kind auf ein angrenzendes Gebäude und war sofort tot. Seine bodenlose Trauer verarbeitete Eric Clapton ein Jahr später in dem Song "Tears in Heaven", der zu einem ergreifenden Klassiker wurde.
Gesundheitliche ProblemeFast sechs Jahrzehnte Rock'n'Roll fordern auch von einem Eric Clapton ihren Tribut. Die Nähe zu seinen Verstärkern und Lautsprechern haben ihn halbtaub gemacht. Er wird von einem Tinnitus heimgesucht und klagt über eine Neuropathie, eine Nervenerkrankung, die sich anfühlt, "als würden sich Elektroschocks mein Bein entlang bewegen", wie er "Classic Rock" mitteilt.
Doch er führt beileibe nicht das Leben eines britischen Gentlemans, der nur alte Autos, Kunst und Antiquitäten sammelt. Der liebe Gott lässt "Slowhand" weiter und weiter spielen, auch wenn Corona seine aktuelle Tour "Eric Clapton" verhindert. Die Auftritte in München, Stuttgart und Düsseldorf wurden auf 2021 verschoben. Alle Tickets behalten ihre Gültigkeit für die neuen Termine.