Sachs: Das stimmt. Erfahren habe ich das erst Jahre später mit Mitte 20. Ich habe mit Hans W. Geißendörfer aber darüber gesprochen, warum Klaus Beimer schon als Kind sterben sollte. Es ging tatsächlich darum, dass einfach etwas passieren musste. Es wurde sich über Jahrzehnte viel beklagt, dass die Familie Beimer auseinandergebrochen ist. Aber es war natürlich eine Entscheidung, die zwingend war, um einen Spannungsbogen aufzubauen. Witzigerweise hat die Trennung von Helga und Hans Beimer die "Lindenstraße" im Grunde bis zur letzten Folge begleitet. Das wäre bei der Alternative, Klaus' Tod, sicher nicht der Fall gewesen. Bennys Tod haben wir ja auch irgendwann ad acta gelegt.
An welchen Punkten haben Sie zwischendurch selbst ans Aufhören gedacht?Sachs: Die Überlegung kam in allen Umbruchphasen des Lebens auf, nach der Schule, als ich mich hinter der Kamera weiterentwickelt habe, kamen schöne Jobangebote. Zwischendrin habe ich mich auch gefragt, ob die "Lindenstraße" mein Lebenszweck sein soll. Auf der anderen Seite war es natürlich ein schöner, angenehmer Job, als Schauspieler in einer Dauer-Serie zu sein. Bei mir hat immer überwogen, dass ich mich da wohlfühle. Zudem hatte ich die Freiheit, mich nebenbei weiterzuentwickeln. Abgesehen davon war die "Lindenstraße" auch ein schönes Format.
Ihre körperlichen Veränderungen im Laufe der Jahre waren auch immer wieder ein Thema. Ihnen wurde sogar gesagt, Sie seien zu dick fürs Fernsehen, schreiben Sie.Sachs: Ja. Das war nicht schön und es macht natürlich auch überhaupt keinen Sinn. Aber es limitiert die Rollen und die Erzählmöglichkeiten schon auf einen bestimmten Typus. Ob Theaterstück, Kinofilm oder Fernsehen: In gewisser Weise muss das Optische dem Zuschauer ein bisschen etwas über die Figur erzählen. Klaus Beimer sollte positiv sein, eine neue Frau finden. Daher stand mein Gewicht dann zur Debatte. Aber es ist natürlich nicht besonders glücklich, wenn man diesem Druck ausgesetzt ist. Viele Menschen, die dicker sind als die Norm, kämpfen sowieso mit dem Thema. Da kann man gute Ratschläge nicht wirklich gebrauchen. Gerade wenn man eine Essstörung hat, die dazu führt, dass man in Drucksituationen erst recht isst.
Wie haben Sie abgenommen?Sachs: Das habe ich unter ärztlicher Betreuung gemacht, mit einer Pulver-Diät, die über drei Monate lief. Es gab dabei eine Gruppentherapie und auch Sporttherapie. Ich hatte zuvor wirklich die Nase voll, habe aber erkannt, dass das Abnehmen bei mir alleine nicht klappt. Die ärztliche und psychologische Betreuung lief dann über ein Jahr. Schnelles Abnehmen ist im Prinzip nicht gesund, dazu muss man sich professionelle Hilfe holen. Das Problem ist für mich nun natürlich, dass ich das Gewicht halte. Es gibt immer wieder Rückschläge: Letztes Jahr habe ich mir das Bein gebrochen, jetzt ist der Job weg. Der alltägliche Kampf ist immer da.
Zur gleichen Zeit wie Ihre Figur Klaus Beimer mussten auch Sie damit fertig werden, dass Ihre Partnerin eine Fehlgeburt erlitten hat. War das zu spielen das Schwerste, was Sie in Ihrer Karriere gemacht haben?Sachs: Ja, ganz sicher. Das aufzuschreiben, ist mir ebenfalls sehr schwer gefallen. Dieser Verlust der Lebensperspektive, der daraus folgt, vor allem, wenn das wie bei uns mehrfach passiert, ist schlimm. Da merkt man, dass es Schlimmeres im Leben gibt, als eine Fernsehserie zu verlieren.
Wie geht es für Sie beruflich weiter? Sie haben sich auch hinter der Kamera weiterentwickelt, als Regieassistent und Aufnahmeleiter gearbeitet...Sachs: Auch als Produktionsleiter, Eventmanager und Produzent. Ich habe mich noch nicht hundertprozentig entschieden, welchen Weg ich gehen möchte. Ich habe so viele verschiedene Dinge über die Jahre gemacht und möchte auf keinen der Bereiche verzichten. Die Arbeit hinter der Kamera macht mir Spaß, ich organisiere gerne Dinge. Ich vermute, dass ich in allen Bereichen weitermachen werde. Ich arbeite halt auch gern. Zurzeit wurde das kulturelle Leben aufgrund der Corona-Krise allerdings eingestellt, das trifft mich wie die meisten meiner Kollegen unmittelbar und jetzt. Freischaffende, Freelancer, Theater, kleine Produktionen und Events. Ich fürchte, ohne schnelle Hilfen werden wir in unserer Branche einen massiven langfristigen Einbruch erleben, der fast alle betreffen wird.