Der endgültige Bruch zwischen den Söldnern und Putin war der von Prigoschin inszinierte Marsch der Gerechtigkeit in Richtung Moskau, der von vielen Experten als Putschversuch eingeordnet wurde. Doch 200 Kilometer vor Moskau gab Prigoschin auf. Offiziell traf er eine Vereinbarung, die ihm Straffreiheit und Exil in Belarus zusicherte. Die Söldner von "Wagner" mussten im Gegenzug schweres Kriegsgerät abgeben. Daher glaubt Sumlenny, dass "Wagner" praktisch schon seit Monaten erledigt war. "Der staatliche Geldfluss wurde für 'Wagner' abgedreht, und sie mussten Panzer, Schützenpanzer, Artillerie sowie Flugzeuge und Hubschrauber abgeben", erklärt er gegenüber BILD.
Die Experten sind sich einig: Die "Wagner"-Söldner werden keine Bedrohung für einen Putsch mehr darstellen. Der Sicherheitsexperte Nico Lange glaubt, dass die Kämpfer dem Kreml weiterhin im Ausland dienen werden, ohne eine Gefahr im Inland darzustellen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass die Privatarmee des Rohstoffgiganten Gazprom ("Fakel") und ihr Chef Alexej Miller (61) vom Ende der Wagner-Söldner profitieren
Das angesehene "Institute for the Study of War" (ISW) zweifelt daran, dass die Kämpfer von "Wagner" geschlossen einer anderen Gruppe beitreten werden. "Die Wiederherstellung von 'Wagner' als quasi unabhängige Organisation unter einem neuen, dem Kreml ergebenen Kommandanten ist möglich, aber unwahrscheinlich", heißt es in einer Analyse des ISW vom Freitag. "Die 'Wagner'-Privatarmee als Kampfeinheit wird es nicht mehr geben", betont auch der einflussreiche ukrainische Blogger Anton Geraschtschenko (mit 485.000 Followern). Doch er fügt hinzu: "Ich schließe nicht aus und würde es begrüßen, wenn unter den loyalsten Anhängern von Prigoschin und Utkin eine kleine geheime Gruppe entstünde, die es sich zur Aufgabe macht, sich auf jeden Fall an Putin, Schoigu und Gerassimow zu rächen und sie gemäß den Gesetzen der blutigen Rache der Banditen zu eliminieren."