Zudem befand sich das Schiff nach Angaben der Behörde nicht in türkischen, sondern in internationalen Gewässern. Allerdings verschweigt die Behörde sowohl die Identität der "Partner", als auch die Art und Weise, wie diese "angemessen" gewarnt wurden. Russland griff zuvor auch den ukrainischen Turbinenhersteller "Motor Sitsch" an. Dieses Unternehmen ist wichtig für die türkische Verteidigungsindustrie, da die Turbinen in türkischen Kampfhubschraubern vom Typ "Atak II" verwendet werden. "Motor Sitsch" beliefert auch den türkischen Drohnenhersteller Baykar, der unter anderem den erfolgreichen "Bayraktar TB2" herstellt. Sowohl der Angriff auf das türkische Handelsschiff als auch der Angriff auf den ukrainischen Turbinenhersteller werden von Experten als Warnung an die Türkei angesehen. Ein hochrangiger türkischer Diplomat äußerte gegenüber Defense News, dass der russische Raketenangriff auf "Motor Sitsch" eine symbolische Warnung darstellt und Russlands Unzufriedenheit mit einigen türkischen Initiativen widerspiegelt.
Auch der ehemalige Diplomat Ömer Murat sieht in dem Angriff auf "Motor Sitsch" und der Stürmung der "Şükrü Okan" eine Warnung an Ankara. Die erste Warnung sei allerdings die Beendigung des Getreideabkommens gewesen. "Als Reaktion darauf hat Putin sich aus dem Getreidegeschäft zurückgezogen, das Erdogan der Welt als seinen diplomatischen Erfolg präsentiert hatte. Das hatte auch Vorteile für die Türkei, wie zum Beispiel die Lieferung von preiswertem Getreide", erklärte Murat in einem Gespräch mit Medienvertretern. Murat zufolge war die Annäherung an den Westen notwendig geworden. "Wirtschaftliche Probleme" hätten das Land dazu gezwungen, die angespannten Beziehungen zum Westen wieder zu normalisieren. Die Wirtschaftszahlen bestätigen das. Mit einer offiziellen Inflationsrate von über 47 Prozent, die Experten für untertrieben halten, und einem Verfall der Türkischen Lira steigt der Frust in der Bevölkerung stark an. Erdogan hatte in seinem Wahlkampf für die Zeit nach der Türkei-Wahl im Mai ein "Jahrhundert der Türkei" versprochen. Offenbar zweifelt er nun selbst daran.