Marine-Experte H. I. Sutton von der Nachrichtenseite "Naval News" hat analysiert, wie Russland die Ukraine angreifen könnte, falls Putin eine See-Blockade mit Gewalt durchsetzen will. Eine mögliche Angriffsvariante wäre der Einsatz der russischen Schwarzmeerflotte, die über verschiedene Kriegsschiffe, einschließlich kleinerer Raketenkorvetten, verfügt. Russland könnte Handelsschiffe, die von und nach Odessa fahren, direkt angreifen. Die Schiffe müssten in diesem Fall ihre Routen anpassen und durch nicht-russische Hoheitsgewässer fahren. Dies würde die Fähigkeit der russischen Schiffe zur Nutzung ihrer Anti-Schiffs-Raketen einschränken und sie in Kanonenreichweite bringen. Gleichzeitig würden sie jedoch auch in Reichweite ukrainischer Schiffsabwehrraketen wie "Harpoon" und "Neptune" geraten. Artillerie, Flugzeuge und Seedrohnen könnten ebenfalls gegen die russischen Schiffe eingesetzt werden. Russische Angriffe könnten auch direkt im Hafen von Odessa durchgeführt werden, beispielsweise durch den Einsatz von Spezialeinheiten. Zudem könnten Seeminen zum Einsatz kommen, wobei Russland die Ukraine für mögliche Explosionen verantwortlich machen könnte. Eine andere Möglichkeit wäre der Einsatz von U-Booten, um Schiffe mit Torpedos anzugreifen und dies dann zu leugnen. Eine Untersuchung würde in diesem Fall Tage oder Wochen dauern. Obwohl das nördliche Schwarze Meer relativ seicht ist und daher nicht optimal für russische U-Boote der Kilo-Klasse, könnte Russland dennoch seine Luftüberlegenheit über dem Gebiet nutzen, um Luftangriffe durchzuführen.
Der Marine-Experte Sutton betont, dass keine der genannten Optionen isoliert betrachtet werden sollte. Es gibt viele Faktoren auf See und politischer Natur, die andere Länder beeinflussen könnten. Besonders die Türkei spielt hier eine Schlüsselrolle, da sie die Meerenge am Bosporus zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer kontrolliert. Die Schiffe fahren unter dem Schutz des "Getreide-Deals" derzeit durch diese Meerenge, bevor die Ladungen ausgeliefert werden.