Senator Bondarew fährt fort: "Der vielschichtige Recep Tayyip Erdogan hat schon früher törichte und impulsive Entscheidungen getroffen: Er flirtete mit ISIS, beeinflusste den Abschuss russischer Flugzeuge, lieferte Drohnen an die Ukraine..." Das verbitterte Fazit des Putin-treuen Senators: "Ein solches Verhalten kann nur als Schlag in den Rücken bezeichnet werden!" Der Kreml-Anhänger fügt fast flehend hinzu: "Die Türkei sollte über einen Austritt aus der NATO und aus dem Bündnis mit Russland nachdenken, da dies für beide Seiten von Vorteil ist. Die Türkei würde ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss in der Region stärken und eine führende Rolle einnehmen. Wenn sie unter europäischer Kontrolle bleibt, ist sie dazu verdammt, sich in der Politik einzuschmeicheln und eine untergeordnete Rolle zu spielen."Der Konflikt zwischen Putin und Erdogan ist von besonderer Brisanz. Experten zufolge hat Putin noch Respekt vor Erdogan und er betrachtet ihn als einen der letzten Staatschefs, vor denen er Achtung hat.
Der Politikprofessor Peter Neumann (48, King's College London) ist der Meinung: "Putin und Erdogan ähneln sich. Beide sind starke, konservative Populisten, die in Interessen und geopolitischen Kategorien denken, die Schwächen des anderen 'riechen' können und bereit sind, sie gnadenlos auszunutzen." Neumann fordert den Westen zur Wachsamkeit auf: "In Europa haben wir solche Figuren gerne 'weggewünscht', aber es ist entscheidend für die Zukunft des Westens, sie zu verstehen." Der Experte Thomas Jäger (62, Universität Köln) erklärt, warum Putin den türkischen Präsidenten als ebenbürtig betrachtet: "Putin sieht in Erdogan einen Gleichgesinnten. Beide nutzen demokratische Verfahren zum Schein, handeln im Innern repressiv, führen Krieg und haben ihre Herrschaft ganz auf die eigene Person zugeschnitten." Laut Jäger hat Putins Respekt vor Erdogan sogar historische Dimensionen: "Putin sieht die geschichtspolitische Rivalität zwischen Russland und dem Osmanischen Reich als bestimmend für den regionalen Raum an." Jäger fügt hinzu: "Das heißt: Erdogan ist auch historisch auf Augenhöhe. Das unterscheidet Erdogan auch von den anderen Staatschefs, die in Koalitionen eingebunden sind oder dauernd Rücksicht auf Wahlen nehmen müssen."