Der Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow (67, Die Linke), betrachtet den Wahlerfolg der AfD im Landkreis Sonneberg als ein Signal der Unzufriedenheit. Er sagte am Sonntagabend in einem Interview im ZDF: "Ich glaube, wir müssen den Geist der deutschen Einheit neu definieren, damit wir die Menschen in Ostdeutschland mitnehmen und nicht das Gefühl vermitteln, dass über sie gelacht oder nur über sie geredet wird." Ramelow betonte die Notwendigkeit eines Schulterschlusses, um die Feinde Deutschlands zu bekämpfen.
Auch der Vorsitzende der Grünen, Omid Nouripour (48), zeigte sich entsetzt über das Wahlergebnis und bezeichnete es bei Twitter als "schwarzen Tag für unsere Demokratie". Der CDU-Politiker und Europa-Parlamentarier Dennis Radtke (44) kritisierte die Ampel-Regierung und seine eigene Partei.
Die Kommunalwahl in dem Kreis an der Grenze zu Bayern hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Die AfD verzeichnet derzeit in den ostdeutschen Bundesländern einen Aufschwung. In Thüringen wird die Partei mit Landeschef Björn Höcke (51) vom Verfassungsschutz als erwiesenermaßen rechtsextrem eingestuft und beobachtet. Die Parteien Die Linke, SPD, Grüne und FDP in Thüringen hatten für eine hohe Wahlbeteiligung und die Unterstützung des CDU-Kandidaten geworben. Die Wahlbeteiligung lag schließlich bei 59,6 Prozent, während sie im ersten Wahlgang vor zwei Wochen bei 49,1 Prozent lag. Der Landkreis Sonneberg im Thüringer Wald zählt mit 57.000 Einwohnern und rund 48.000 Wahlberechtigten zu den kleinsten Landkreisen Deutschlands. Sesselmann und die AfD führten ihren Wahlkampf hauptsächlich mit bundespolitischen Themen wie dem umstrittenen Heizungsgesetz, der hohen Inflation und steigenden Flüchtlingszahlen. In der ländlich-konservativen Region wurde dies als eine Abstimmung über die Bundespolitik betrachtet, mit der viele Menschen derzeit unzufrieden sind.