Katja Riemann: "Ich habe einfach nicht mehr losgelassen"

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Katja Riemann: "Ich habe einfach nicht mehr losgelassen"

Stars (2 / 1) 27.02.2021 00:33 / Julia Symbolbild imago images/Sven Simon


Das hat die Schauspielerin berührt

Auf ihren Reisen haben Riemann viele Erlebnisse berührt: "Tatsächlich am meisten die glücklichen Umstände, dort, wo es so eine Art Happy-Outcome gab, vom Happy-End kann man hier nicht sprechen. Andererseits habe ich mit Dr. Mukwege, dem ich im Jahr 2006 begegnete und der 2018 den Friedensnobelpreis gewann, einen ganzen Nachmittag verbracht und wir sprachen über Vergewaltigung als Kriegsinstrument; mich hat, ebenfalls im Kongo, der Besuch eines Männergefängnisses, in dem sieben Kinder eingesperrt waren, berührt; oder in Ouagadougou die Verteilung von Tricyclettes an Menschen, deren Beine nicht mehr gehen, und ebenfalls dort der Besuch eines offenen Steinbruchs, in dem eben auch Kinder zu finden waren."

"Mich hat berührt", fährt sie fort, "dass senegalesische und nepalesische Mädchen Theater spielen, um einen Kanal zu finden für das Unaussprechliche, das ihnen widerfuhr. Ich habe emotional verstanden, warum mein Vater im Libanon leben wollte, als ich den Libanon besuchte, um dort über die syrischen Geflüchtetenlager zu lernen. Mich hat Alex berührt, der das IS-Gefängnis in Libyen überlebte und sich in Berlin als Geflüchteter um Obdachlose kümmert und mich hat die Gründerin des burundischen Maison Shalom, Marguerite Birankitse berührt, die nicht aufgibt. Mich haben die Gespräche mit getraffickten Mädchen in Moldawien berührt und der Besuch einer Ceausescu-Institution in Negru Voda, Rumänien, in der ich sah, was nicht sein darf. Ich bin gespannt, was meine Leser und Leserinnen berühren wird und worüber sie lachen oder sich freuen."

Das liegt vor ihr

Und wohin führen Riemanns nächste Reisen? "Ich werde wohl eine Reise mit einer Amerikanerin nach Venezuela machen", verrät sie, "wir suchen gerade einen Termin. Und ich möchte die Arbeit von Karo e.V. vor Ort kennen lernen". Zudem plane sie einen längeren Trip nach Ostafrika, Kenia, "zu meinem guten Freund Johannes Wedenig, über den ich viel in meinem Buch schreibe".

Über ihre weiteren Projekte sagt sie, sie drehe dieses Jahr "einen kommerziellen und einen Arthouse-Film - falls letzterer finanziert wird". Über beides freue sie sich sehr. "Und ich spiele am Gorki Theater in Berlin wieder Theater in einem Stück meiner klugen Freundin Sibylle Berg."